Buchtipp des Monats - Belletristik
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2026
Betty Boras
Das schönste aller Leben
Roman
»Ein Roman von erschütternder Zärtlichkeit, über Herkunft, Mutterschaft und die Schönheitsideale, denen Frauen schon immer ausgeliefert waren.« Mareike Fallwickl
Kurz nach dem Sturz der Diktatur flieht Vio mit ihren Eltern aus dem rumänischen Banat nach Deutschland. Sich anpassen, bloß nicht auffallen – das ist der Preis des Ankommens. Fleiß und Schönheit seine Währung. Trotz aller Widerstände findet Vio ihren Platz in der Gesellschaft bis ein tragischer Unfall offenbart, wie fragil Vios mühsam aufgebaute Existenz ist. Ein Schicksal, das sie mit den Frauen ihrer Familie teilt: Schon im 18. Jahrhundert muss ihre Ahnin Theresia einen hohen Preis dafür zahlen, selbstbestimmt leben zu wollen. Sie gerät ins Visier der Keuschheitskommission, wird entrechtet und verschleppt.
Pressestimmen
Wann gehören wir dazu? Und wie prägend ist die eigene Herkunft? In ihrem Debütroman setzt sich Betty Boras mit ihrer Identität als Nachkommin der Banater Schwaben auseinander.
Eva-Maria Manz, Stuttgarter Zeitung
Boras befragt mit großem Geschick unterschiedliche Epochen, kulturelle Räume und ihre Heldinnen nach der jeweiligen Bedeutung von weiblicher Schönheit
Dimo Rieß, Leipziger Volkszeitung
Migrationshintergrund – das sagt sich so leicht. Die in Rumänien geborene Deutsche Betty Boras weiß allerdings genau, wovon sie schreibt.
Gilbert Waldner, Lesezeichen
Für diese Mehrschneidigkeit – Schönheit als Geschenk, als Last, als Sehnsucht – findet Betty Boras mit ihren Frauenfiguren eine mitreißende Familiengeschichte, die die Jahrhunderte miteinander verbindet und zeigt, dass sich die Zeiten geändert haben mögen, die grundsätzlichen Themen aber kaum.
Stefan Härtel, Wiro aktuell
Eckdaten
Betty Boras: Das schönste aller Leben : Roman. - Berlin: hanserblau, 2026.- 240 Seiten.- ISBN 978-3-446-28451-7
Quelle : Verlag
András Visky
Die Aussiedlung
Roman
András, der Erzähler, jüngstes von sieben Kindern, liebt seine tapfere Mutter Júlia über alles – wo sie ist, lauert das Glück, egal, was geschieht. Vier Jahre lang zieht sie mit ihren Kindern in der ostrumänischen Steppe umher – sie wurden »ausgesiedelt«, nachdem der Vater, ein Pastor, zu 22 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden war. Sie richten sich in Erdhöhlen ein und in verlassenen Dörfern, beaufsichtigt von den Behörden. Sippenhaft. »Ich merke mir alles und werde über alles schreiben, wenn die Zeit gekommen ist, sage ich zu unserer Mutter, um sie zu trösten, als ich sie beim Weinen ertappe, schreiben verwende ich als Synonym für rächen, ohne zu wissen, was ich sage.« Jahrzehnte später findet Visky den gleichmütigen, zuweilen heiteren Ton, die leuchtenden Bilder und die Form: 822 durchnummerierte Minikapitel, die Atemzügen gleichen.
Der Entschluss, umeinander zu kämpfen, »solange die Seele mich trägt«, verbindet die Eltern, tiefgläubige, einander leidenschaftlich liebende Menschen, deren Haltung sich ihren Kindern unauslöschlich einprägt. Der Gewalt des kommunistischen Staates setzen sie ihr NEIN entgegen. Wie sich die Phantasie mit der Liebe verbündet: gegen die Wirklichkeit und gegen die Versuchung, böse zu werden - das ist so noch nie erzählt worden.
Platz 1 der ORF-Bestenliste
SWR-Bestenliste
Pressestimmen
Ein solches Buch habe ich noch nie gelesen. Es ist eine Sensation.
Herta Müller
Eine Euphorie des Lebens liegt über diesem Text, die angesichts der Allmacht des Todes ungeheuerlich, angesichts der Abwesenheit Gottes der nobelste Trotz ist. So steht Die Aussiedlung für genau diese Geschichte und zugleich für alles, was Menschen einander an Bösem und Gutem tun.
Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau
Die Aussiedlung [erzählt] von den knapp fünf Jahren, [die Visky] als jüngstes Kind in der Verbannung durchlebte ... [Er] verleiht dem Geschehen von Anfang an eine theologische Dimension. Sie zeigt sich in den reflektierenden Momenten dieser zugleich atemlosen wie zu unendlicher Geduld fähigen Prosa – und in der alttestamentarisch aufgeladenen, in ihrer detailreichen Sinnlichkeit jedoch keineswegs pathetischen Sprache.
Gregor Dotzauer, Der Tagesspiegel
Im Grunde müsse man die Welt nur ein Mal davon überzeugen, dass man ein Genie sei hat László Krasznahorkai einmal gesagt ... Und auch bei András Visky wird es nun ganz egal sein, was er in Zukunft noch schreibt, inszeniert, veröffentlicht. Dieses Buch bleibt.
Felix Stephan, Süddeutsche Zeitung
Eckdaten
András Visky: Die Aussiedlung : Roman / Aus dem Ungarischen von Timea Tankó. - Suhrkamp, 2025. - 456 Seiten. - ISBN 978-3-518-43245-7
Quelle : Verlag
Artur Becker
Von Barschen, Augustäpfeln und anderen Menschen
Erzählungen
Am Ufer des Gehlandsees steht das Erholungszentrum Rusałka – ein Ort voller Sehnsüchte, Ängste und Mythen. Hier herrscht Albrecht Butcher, ein Mann, den alle fürchten und den doch niemand aufhält. Man sagt, er habe Menschen im Wald verschwinden lassen und dass selbst Blitze ihn nicht töten können. Aber wer ist er wirklich – ein Tyrann, ein Geschäftsmann oder nur ein Kind seiner Zeit?
In fünfzehn Erzählungen führt Artur Becker durch eine Welt zwischen Masuren und Deutschland, Vergangenheit und Gegenwart, Heimat und Exil. Er erzählt von Näherinnen, die Urlaub machen und von einem besseren Leben träumen, von einem Sohn, der in Zeiten des Umbruchs zu seiner sterbenden Mutter reist, von verlorenen Liebenden, gestrandeten Existenzen und einem Sozialismus, der sich selbst nicht mehr tragen kann.
Mit Blick für das Tragische und das Absurde erzählt Becker von Schuld und Verdrängung, von Aufbruch und Verlust – und fragt, wo wir wirklich zu Hause sind.
Pressestimmen
Mal märchenhaft stilisiert, immer deftig zugeneigt und stets ohne gar zu langen Boxenstopp im Psychologisieren mäandert das Buch dem Verlust der Heimat hinterher, um sich dem Finden einer neuen zuzuwenden. Kraftvoll, sentimental und trotz aller Tiefschläge beim Unterwegssein optimistisch wird von und mit wachgehaltener Lebenslust erzählt. Das macht diese Texte so sympathisch (…).“
Ulrich Steinmetzger, FAZ
Kaum ein Autor kann vom kleinen Glück im großen Weltunglück so schaurig-schöne und unglaublich wahrhaftige Geschichten erzählen wie Artur Becker.
Michael Braun, Aachener Zeitung
Es ist eine der großen Leistungen Beckers, seinen Stoff jederzeit attraktiv zu halten, Spannungsbögen aufzubauen, Szenen zu schließen und trotzdem stets anschlussfähig zu gestalten.
Christoph Schröder, Zeit Online
Er zeigt das pralle, nackte Leben, ist in der Form reflektiert und historisch bewandert. Becker hat neun Romane veröffentlicht, schreibt wunderbare Erzählungen – und segelt immer noch ein wenig unter dem Radar der Öffentlichkeit, die er verdient hätte.
Journal Frankfurt
Eckdaten
Artur Becker: Von Barschen, Augustäpfeln und anderen Menschen : Erzählungen. - Frankfurt am Main: Edition Faust, 2025. - 379 Seiten. - ISBN 978-3-949774-85-0
Quelle : arturbecker.de
Bettina Flitner: Meine Mutter
Roman
Als Bettina Flitner für eine Lesung aus ihrem Buch »Meine Schwester« nach Celle zurückkehrt – dorthin, wo vor 40 Jahren ihre Mutter beerdigt wurde –, springen sie mit unerwarteter Heftigkeit Fragen an, die sie lange von sich fern gehalten hatte: Fragen nach dem großen Unglück im Leben ihrer Mutter und nach einer Familienkatastrophe in einer fernen Zeit und in einem fernen Land.
Und so begibt sich Bettina Flitner auf eine Reise voller Überraschungen und Entdeckungen in den Luftkurort Wölfelsgrund im ehemaligen Niederschlesien, dem heutigen Międzygórze, wo ihre Vorfahren bis zur dramatischen Flucht 1946 ein Sanatorium besessen und geleitet haben. Aus den Erlebnissen ihrer Reise ins heutige Polen, den Tagebüchern und Dokumenten ihrer Familienmitglieder und ihren eigenen Erinnerungen an das Leben ihrer Mutter erschafft Bettina Flitner nicht weniger als ein literarisches Meisterwerk, einen hochspannenden Familienroman, der zugleich eine nachgetragene Versöhnung mit der eigenen Mutter ist und die erlösende Kraft des Erinnerns und des genauen Erzählens demonstriert.
Pressestimmen
Bettina Flitner dringt mit ihrem scharfen Blick in die Tiefenschichten von persönlichen und historischen Prägungen. Bewundernswert auch, wie sie sich bei alledem ihren schwarzen Humor bewahrt hat. Oder hat der Humor sie bewahrt?
Jenny Erpenbeck
Flitners meisterhafte Sprache – kühl, präzise manchmal hart – trägt über alle Abgründe einer solchen Geschichte hinweg. Hier wird nichts verklärt und nichts zu kurz geschlossen.
Eva Manesse
(...) was Flitner (...) berichtet, ist anrührend gerade deshalb, weil sie mit einiger Distanz erzählt. Weil Emotionales nicht mit Pomp und Drama in Szene gesetzt wird, sondern sich mit knappen und brutalen Pointen nach und nach entfaltet.
Adam Soboczynski, Die Zeit Literatur
Ein beeindruckendes Buch über ein in vielerlei Hinsicht typisches westdeutsches Frauenleben und über die Macht von Traumata, die von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden.
Oliver Pfohlmann, WDR Westart lesen
Eckdaten
Bettina Flitner: Meine Mutter : Roman. - Köln: Kiepenheuer und Witsch, 2025. – 316 Seiten. - ISBN 9783462008494
Quelle : Verlag
Dagmar Leupold: Muttermale
Roman
Virtuos, behutsam und unerbittlich: Dagmar Leupold bringt Dinge zum Sprechen – sie erzählen von der Mutter, aber auch von Krieg, Flucht und Fremdheit.
Wie erzählt man von der eigenen Mutter? Vor über hundert Jahren in Ostpreußen geboren, vor der Roten Armee geflohen, auf Umwegen irgendwo im deutschen Westen angekommen und dort, im neuen Leben, in der neuen Zeit nach dem Krieg, von dem bald keine Rede mehr war, immer fremd geblieben. Fremd auch der eigenen Tochter, die sich weiter und weiter entfernte, bis die Geschichte der Mutter irgendwann unbegreiflich geworden war.
»Muttermale« ist der Roman einer Annäherung. In immer neuen Anläufen versucht Dagmar Leupold, Verlorenes wiederzugewinnen. Sie greift dazu auf das zurück, was vom Leben der Mutter geblieben ist, Alltagsgegenstände, Gewohnheiten, Fotos, gern gebrauchte Wörter und Sätze: alles, was über die Zeit hinweg von der Mutter zu ihr spricht.
Sie lauscht diesem Sprechen, um ihm Geheimnisse und Unausgesprochenes abzulauschen, und findet immer wieder Spuren eines Traumas.
Pressestimmen
Ganz besonders psychologisch und stilistisch geglückt ist indes Dagmar Leupolds Roman „Muttermale“ […] wie die frühe Prägung durch eine verlorene Heimat noch die nächste Generation beeinflusst, ist selten so eindrucksvoll beschrieben worden wie hier.
Andreas Platthaus, FAZ
Allem voran aber besticht "Muttermale" durch seine präzise Form – wie Bernstein goldgelb schimmernd, glasklar und steinhart poliert. Kein Wort ist hier fehl am Platz, keines abgegriffen oder überflüssig. Der Überlebenskampf, den das in seiner ewigen Winterstarre eingeschlossene Wesen, in dem man getrost Mutter und Tochter erkennen darf, geführt haben muss, wird in diesem bei aller Strenge wahrnehmungsoffenen Roman in eine vom Schweigen geschliffene Sprache befreit.
Andrea Köhler, Die Zeit
Im Schlaf hast du deine Tochter womöglich sogar gerngehabt, schreibt Dagmar Leupold in »Muttermale«. Und schon dieser schlichte Satz gibt eine Ahnung von der Wucht ihres Romans. Was die Zeile noch nicht verrät: Wie ungemein reich an Bildern und Lebenswissen die Sprache der Autorin ist. Und so leuchtet Dagmar Leupold Themen, die wahrlich oft beschrieben wurden, völlig neu aus. Das Buch beweist: Große Literatur braucht kein neues Sujet
Jury Bayerischer Buchpreis
Wie man Verdecktes erhellen, wie man Ungesagtes lesen kann, zeigt Dagmar Leupold empathisch und mit großer Sprachvirtuosität. Das Porträt ihrer Mutter, stellvertretend für eine ganze Generation.
Carsten Hueck, Deutschlandfunk
Eckdaten
Dagmar Leupold: Muttermale : Roman. - Salzburg: Jung und Jung, 2025. – 176 Seiten. - ISBN 978-3-99027-419-4
Quelle : Verlag
Elli Unruh: Fische im Trüben
Roman
Elli Unruh erzählt die Geschichte einer deutsch-mennonitischen Familie, die bis Ende der achtziger Jahre in der Sowjetunion, im südlichen Kasachstan, lebte. Sie taucht ein in die Zeit ihrer Vorfahren, Großeltern und Eltern. Einprägsam und lebendig schildert sie das Leben von Menschen, die durch den Lauf der Geschichte und ständig wechselnde Lebensumstände und -orte nicht mehr aus noch ein wissen, aber in Traditionen, Religion und eigener Sprache Halt finden.
Faszinierend lernt man eine ganz und gar fremde Welt kennen, fremde Lebensweisen, fremd auch, was das sowjetische System im Alltag betrifft mit der allgegenwärtigen Miliz und den »Bevollmächtigten«.
Geschrieben in einer einfachen, poetischen Sprache, die angereichert wird durch das Deutsch, das die Mennoniten aus Westpreußen nach Russland mitgebracht hatten – das Plautdietsch, das bis heute gesprochen wird. Das alles vor dem Hintergrund einer unbekannten, wunderschönen, fruchtbaren Landschaft mit riesigen Apfelplantagen, wilden Flüssen und weiten Steppen.
Pressestimmen
Ein erstaunliches, ganz und gar ungewöhnliches Buch.
Jörg Plath, Deutschlandfunk Kultur
Elli Unruh erzählt in ihrem hervorragenden Debütroman von einer Familie, die als Mennoniten ihre Heimat in Kasachstan verlassen hat. In ihrer poetischen Sprache versteht die Autorin diese Welt heraufzubeschwören. Die Trakehner Pferde, Esel, Hühner und Hunde spielen eine große Rolle – und die Menschen, die gegen Not und Hunger kämpfen müssen. Manche Dialoge schreibt sie in Plautdietsch, jener Sprache, die ein wenig wie altertümliches Deutsch wirkt und in Mennoniten-Gemeinden weltweit noch heute gesprochen wird. Manche Begriffe sind aus dem Russischen übernommen. So meint man, einen oft zärtlich sanften Erzählton zu hören in diesem auch handwerklich hervorragend gestalteten Band.
Annemarie Stoltenberg, NDR Kultur
Eckdaten
Elli Unruh: Fische im Trüben : Roman. - Berlin : Transit, 2025 - 199 Seiten. - ISBN 978-3-88747-420-1
Quelle : Verlag

