Buchtipp des Monats - Belletristik
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Dagmar Leupold: Muttermale
Roman
Virtuos, behutsam und unerbittlich: Dagmar Leupold bringt Dinge zum Sprechen – sie erzählen von der Mutter, aber auch von Krieg, Flucht und Fremdheit.
Wie erzählt man von der eigenen Mutter? Vor über hundert Jahren in Ostpreußen geboren, vor der Roten Armee geflohen, auf Umwegen irgendwo im deutschen Westen angekommen und dort, im neuen Leben, in der neuen Zeit nach dem Krieg, von dem bald keine Rede mehr war, immer fremd geblieben. Fremd auch der eigenen Tochter, die sich weiter und weiter entfernte, bis die Geschichte der Mutter irgendwann unbegreiflich geworden war.
»Muttermale« ist der Roman einer Annäherung. In immer neuen Anläufen versucht Dagmar Leupold, Verlorenes wiederzugewinnen. Sie greift dazu auf das zurück, was vom Leben der Mutter geblieben ist, Alltagsgegenstände, Gewohnheiten, Fotos, gern gebrauchte Wörter und Sätze: alles, was über die Zeit hinweg von der Mutter zu ihr spricht.
Sie lauscht diesem Sprechen, um ihm Geheimnisse und Unausgesprochenes abzulauschen, und findet immer wieder Spuren eines Traumas.
Pressestimmen
Ganz besonders psychologisch und stilistisch geglückt ist indes Dagmar Leupolds Roman „Muttermale“ […] wie die frühe Prägung durch eine verlorene Heimat noch die nächste Generation beeinflusst, ist selten so eindrucksvoll beschrieben worden wie hier.
Andreas Platthaus, FAZ
Allem voran aber besticht "Muttermale" durch seine präzise Form – wie Bernstein goldgelb schimmernd, glasklar und steinhart poliert. Kein Wort ist hier fehl am Platz, keines abgegriffen oder überflüssig. Der Überlebenskampf, den das in seiner ewigen Winterstarre eingeschlossene Wesen, in dem man getrost Mutter und Tochter erkennen darf, geführt haben muss, wird in diesem bei aller Strenge wahrnehmungsoffenen Roman in eine vom Schweigen geschliffene Sprache befreit.
Andrea Köhler, Die Zeit
Im Schlaf hast du deine Tochter womöglich sogar gerngehabt, schreibt Dagmar Leupold in »Muttermale«. Und schon dieser schlichte Satz gibt eine Ahnung von der Wucht ihres Romans. Was die Zeile noch nicht verrät: Wie ungemein reich an Bildern und Lebenswissen die Sprache der Autorin ist. Und so leuchtet Dagmar Leupold Themen, die wahrlich oft beschrieben wurden, völlig neu aus. Das Buch beweist: Große Literatur braucht kein neues Sujet
Jury Bayerischer Buchpreis
Wie man Verdecktes erhellen, wie man Ungesagtes lesen kann, zeigt Dagmar Leupold empathisch und mit großer Sprachvirtuosität. Das Porträt ihrer Mutter, stellvertretend für eine ganze Generation.
Carsten Hueck, Deutschlandfunk
Eckdaten
Dagmar Leupold: Muttermale : Roman. - Salzburg: Jung und Jung, 2025. – 176 Seiten. - ISBN 978-3-99027-419-4
Quelle : Verlag

