Buchtipp des Monats - Belletristik
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András Visky
Die Aussiedlung
Roman
András, der Erzähler, jüngstes von sieben Kindern, liebt seine tapfere Mutter Júlia über alles – wo sie ist, lauert das Glück, egal, was geschieht. Vier Jahre lang zieht sie mit ihren Kindern in der ostrumänischen Steppe umher – sie wurden »ausgesiedelt«, nachdem der Vater, ein Pastor, zu 22 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden war. Sie richten sich in Erdhöhlen ein und in verlassenen Dörfern, beaufsichtigt von den Behörden. Sippenhaft. »Ich merke mir alles und werde über alles schreiben, wenn die Zeit gekommen ist, sage ich zu unserer Mutter, um sie zu trösten, als ich sie beim Weinen ertappe, schreiben verwende ich als Synonym für rächen, ohne zu wissen, was ich sage.« Jahrzehnte später findet Visky den gleichmütigen, zuweilen heiteren Ton, die leuchtenden Bilder und die Form: 822 durchnummerierte Minikapitel, die Atemzügen gleichen.
Der Entschluss, umeinander zu kämpfen, »solange die Seele mich trägt«, verbindet die Eltern, tiefgläubige, einander leidenschaftlich liebende Menschen, deren Haltung sich ihren Kindern unauslöschlich einprägt. Der Gewalt des kommunistischen Staates setzen sie ihr NEIN entgegen. Wie sich die Phantasie mit der Liebe verbündet: gegen die Wirklichkeit und gegen die Versuchung, böse zu werden - das ist so noch nie erzählt worden.
Platz 1 der ORF-Bestenliste
SWR-Bestenliste
Pressestimmen
Ein solches Buch habe ich noch nie gelesen. Es ist eine Sensation.
Herta Müller
Eine Euphorie des Lebens liegt über diesem Text, die angesichts der Allmacht des Todes ungeheuerlich, angesichts der Abwesenheit Gottes der nobelste Trotz ist. So steht Die Aussiedlung für genau diese Geschichte und zugleich für alles, was Menschen einander an Bösem und Gutem tun.
Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau
Die Aussiedlung [erzählt] von den knapp fünf Jahren, [die Visky] als jüngstes Kind in der Verbannung durchlebte ... [Er] verleiht dem Geschehen von Anfang an eine theologische Dimension. Sie zeigt sich in den reflektierenden Momenten dieser zugleich atemlosen wie zu unendlicher Geduld fähigen Prosa – und in der alttestamentarisch aufgeladenen, in ihrer detailreichen Sinnlichkeit jedoch keineswegs pathetischen Sprache.
Gregor Dotzauer, Der Tagesspiegel
Im Grunde müsse man die Welt nur ein Mal davon überzeugen, dass man ein Genie sei hat László Krasznahorkai einmal gesagt ... Und auch bei András Visky wird es nun ganz egal sein, was er in Zukunft noch schreibt, inszeniert, veröffentlicht. Dieses Buch bleibt.
Felix Stephan, Süddeutsche Zeitung
Eckdaten
András Visky: Die Aussiedlung : Roman / Aus dem Ungarischen von Timea Tankó. - Suhrkamp, 2025. - 456 Seiten. - ISBN 978-3-518-43245-7
Quelle : Verlag

