Seminarkurs Oktober - November 2016
Zuflucht in Stuttgart
18 Zwölftklässlerinnen und -klässler der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule in Stuttgart nahmen im Schuljahr 2016/17 am Seminarkurs Zuflucht in Stuttgart unter der Leitung von Martin Gansen teil. Sie befassten sich mit der Ankunftssituation im deutschen Südwesten sowohl historisch als auch gegenwärtig. Am Ende des ersten Halbjahres und als Abschluss des ersten historischen Teils des Seminarkurses sollten die Schülerinnen und Schüler Zeitzeugengespräche mit nach Baden-Württemberg eingewanderten Personen führen und darüber eine Facharbeit schreiben. Für den historischen Teil kooperierte die Schule mit dem HdH BW, insgesamt drei Termine fanden statt.
Einführung in die Bibliothek und die Recherchearbeit
14. Oktober 2016
Um eine Grundlage für die Zeitzeugengespräche und die schriftliche Facharbeit zu schaffen, ist es unumgänglich, sich Hintergrundwissen anzulesen und sich mit den historischen Begebenheiten in den jeweiligen Ländern der Gesprächspartner vertraut zu machen. Die Fachbibliothek des Hauses der Heimat, die Bücher, Fachzeitschriften, Hörbücher und Kartenmaterial bereitstellt, eignet sich hierfür besonders.
Die Seminarkursteilnehmerinnen und -teilnehmer lernten bei ihrem Besuch die Grundlagen der Bibliotheksrecherche kennen. Wie finde ich das passende Buch zu meinem Thema? Welche Schlagwörter helfen mir bei meiner Suche weiter? Wo finde ich welche Signatur? Diese und andere Fragen beantwortete die Bibliothekarin Renate Deutschländer, mit viel Geduld und hilfreichen Tipps. „Hier werde ich ab jetzt öfter herkommen“, war das Schlussfazit eines Schülers.
Vortrag zu Flucht und Vertreibung
21. Oktober 2016
Neben der Fachbibliothek zur Quellenforschung bietet das HdH BW auch hauseigene Materialien zum Thema Flucht und Vertreibung an. Im Zuge eines Vortages von Carsten Eichenberger wurde die interaktive CD-ROM „Umsiedlung, Flucht und Vertreibung der Deutschen als internationales Problem“ den Seminarkursteilnehmerinnen und -teilnehmer vorgestellt. In dem knapp eineinhalbstündigen Vortrag präsentierte Eichenberger den Inhalt des digitalen Mediums und ging vor allem auf die Punkte Umsiedlung und Völkermorde in der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, Flucht und Vertreibung der Deutschen und Neuanfänge nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Im Anschluss erhielten die Zwölftklässlerinnen und -klässler die CD-ROM als Arbeitshilfe für die schriftliche Facharbeit und als Vorbereitung auf die Zeitzeugengespräche. Auch die Lehrerhandreichung wurde ausgeteilt; „damit Sie nach dem Durchlesen genau so viel Wissen haben wie Ihre Lehrer“, so Eichenberger mit einem Augenzwinkern. Bei der nächsten Seminarsitzung sollte die Lehrerhandreichung gleich zur Zitationsübung eingesetzt werden.
Zeitzeugengespräche
18. November 2016
Nach intensiver Einarbeitung in das Thema und dem Aneignen von Hintergrundwissen zu den historischen Regionen im östlichen Europa trafen die Schülerinnen und Schüler auf ihre Gesprächspartner. Das HdH BW hatte vier Zeitzeugen eingeladen: Helmut Letfuß, Sudentendeutscher, Katharina Martin-Virolainen, Russlanddeutsche, Erwin Krich, Siebenbürger Sachse und Günther Vossler mit bessarabiendeutschen Wurzeln.
Kleingruppen führten die Gespräche, die weit mehr als einseitige Befragungen wurden: Es entwickelte sich ein gegenseitiger Austausch. Da alle Jugendlichen selbst einen Migrationshintergrund hatten, konnten auch sie von ihren Erfahrungen bei der Ankunft in Deutschland berichten.
Bei der gemeinsamen Abschlussrunde zeigten sich beide Seiten tief beeindruckt von den vorangegangenen Gesprächen – es war sowohl für die Schülerinnen und Schüler als auch für die Gesprächspartner eine Bereicherung. Zum Schluss äußerte Katharina Martin-Virolainen die Hoffnung, dass die Jugendlichen eines Tages den Mut finden würden, ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Nur durch Wissen könne Verständnis aufkommen und Integration gelingen.
Jugendprojekte - Übersicht:

