Béla Bartók und Zoltán Kodály
Einer der berühmten Ungarischen Tänze von Johannes Brahms, gespielt von Bross am Cello und Deutsch am Flügel, zeigte zu Beginn des Konzerts im HdH BW, wie „Ungarn“ nach landläufiger Meinung zu klingen hat. Nach „Paprika und Schmackes“, fasst Theo Bross in Worte, Folklore mit viel Schmelz. Seine Erklärungen zwischen den einzelnen Musikstücken beschrieben die Entwicklung, die der Komponist Belá Bartók durch die Erforschung und Verarbeitung der seiner Meinung nach „wahren“ ungarischen Musik dann selbst durchlief.
Gemeinsam mit Zoltán Kodály sammelte Bartók in mühevoller Feldforschung, ausgerüstet mit einem Phonographen mit Wachswalze, in Siebenbürgen Melodien von Volksliedern, vor allem aber nicht ausschließlich von der ungarischen Bevölkerung. Die echte, unverfälschte Musik sei nur auf dem Land zu finden, westliche Einflüsse hätten in den Städten die Originale verändert, so seine Überzeugung. Mündlich überlieferte Strukturen hätten dort keine Chance, zu bestehen. Aber die „ewige Bettelei bei Bauern“ auf dem Land war ermüdend, so der Komponist – Theo Bross las aus Briefen und Tagebüchern. Schließlich lohnte sich die Arbeit, die beiden wurden fündig. Unbeeinflusst von der westlichen Dur-/Moll-Harmonik dominierte in der Musik, die sie aufzeichneten, die Pentatonik. Bartók erkannte sibirische Ursprünge.
Auch seine eigenen Kompositionen entfernten sich immer weiter von westlichen Konventionen. Als frühes Beispiel spielten Bross und Deutsch die spätromantische Vertonung eines Gedichts von Nikolaus Lenau („Diese Rose pflück ich hier“) von 1900. Sie endeten mit der Rhapsodie op. 1 und den Rumänischen Tänzen. Hier habe Bartók seine eigene Musiksprache gefunden. In seinen Liedvertonungen sah der Komponist sich als „Juwelier“: Der „Edelstein“ im Zentrum sei die überlieferte, vorgefundene Melodie, die „Fassung“ die frei komponierte, nach Hugo Wolf „emanzipierte“ Klavierbegleitung.
Veranstaltungs-Info
Inspirationen aus ungarischen, slowakischen und rumänischen Volksliedern
Auf gemeinsamen Reisen durch Siebenbürgen zwischen 1907 und 1909 sammelten die beiden Komponisten Béla Bartók und Zoltán Kodály Volksmelodien der ungarischen, slowakischen und rumänischen Bevölkerung. Die Ergebnisse dieser Feldforschung wurden zu einem zentralen Bestandteil ihres musikalischen Schaffens, das sie über viele Jahre hinweg fortsetzten.
Theo Bross und Oliver Deutsch haben die Reisen recherchiert und etliche dieser gesammelten Volksweisen für Cello und Klavier arrangiert. Bei ihrem Konzert spielen sie zudem Original-Kompositionen für diese Besetzung. Oliver Deutsch liest kurze Auszüge aus Tagebuchnotizen und Briefen von Bartók und Kodály.
Theo Bross studierte Violoncello an den Musikhochschulen Stuttgart, Budapest, Paris und belegte Kammermusik-Klassen des Melos- und Bartók-Quartetts. 1991 gründete er in Stuttgart das Pegasos Ensemble mit Musikern aus ganz Europa. Mit dem Quartett gewann Bross 1992 den 1. Preis beim Internationalen Kammermusikwettbewerb der Stadt Karlsbad und war 1995 Musikalischer Botschafter des Goethe-Instituts für die sogenannte „Entartete Musik“ der 1930er- und 1940er-Jahre. Seit 2014 führen ihn Konzertreisen mit seinem Kammermusik-Partner Maxime Zecchini am Klavier durch bisher mehr als 20 Staaten. Theo Bross lebt und arbeitet in Stuttgart, einen Großteil des Jahres verbringt er in Sambia und Ruanda, wo er in Zusammenarbeit mit lokalen Trägern, internationalen Botschaften und Sponsoren Zentren für „Performing Arts“ aufbaut und leitet. Er spielt ein Cello von Andrea Castagneri.
Oliver Deutsch wurde als Sohn ungarisch-jüdischer Eltern in Rumänien geboren. 1988 emigrierte die Familie nach Jerusalem. Dort erwarb er ein Diplom an der Jerusalem Rubin Academy of Music und besuchte anschließend als Stipendiat das Musikpädagogische Institut „Zoltan Kodaly“ in Ungarn. Ein Teil seiner Ausbildung zum Bachelor of Music in Jerusalem fand an der Franz Liszt Musikakademie in Budapest statt, ein neuerliches Stipendium ermöglichte ihm weitere Studien an der Musikakademie Ljubljana. Sein Masterdiplom erhielt Oliver Deutsch an der Hochschule Luzern, seine Förderer in Masterkursen waren Pnina Salzmann, Joseph Bloch, Peter Feuchtwanger, Boris Bermann und György Sebök. Heute unterrichtet er am Berner und am Luzerner Konservatorium. Als Kammermusik-Partner und als Solist führen ihn Konzertreisen regelmäßig nach Rumänien, Deutschland, Ungarn, Österreich, Kroatien, Sambia und Simbabwe.
Der Eintritt ist frei.
Einlass bis zum Erreichen der höchstzulässigen Besucherzahl
Der Veranstaltungssaal ist nicht barrierefrei.

