Europa stärken! Was kann uns Kreisau/Krzyżowa lehren?
Robert Żurek, geschäftsführender Vorstand der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung, führte in seinem Vortrag durch drei Kapitel Zeitgeschichte, die für die Arbeit der internationalen Begegnungsstätte Kreisau von zentraler Bedeutung sind.
Zuerst definierte er sechs Schlüsselbegriffe, die das Wirken und das Selbstverständnis des Kreisauer Kreises beschreiben: Übernahme von Verantwortung, Zivilcourage, Dialogbereitschaft, Kreativität, Weitblick und die Orientierung an einer gesamteuropäischen Perspektive zeichneten nach Żureks Meinung den Einsatz der Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus aus. Mit einer Fülle an Zitaten und Textauszügen belegte Żurek, wie grundlegend diese Werte für die Gruppe um Helmuth James Graf von Moltke und seine Ehefrau waren.
Auch die polnische Bürgerrechtsbewegung zu sozialistischen Zeiten ließe sich mit diesen Schlüsselbegriffen beschreiben, so Żurek – und später auch der deutsch-polnische Versöhnungsprozess nach dem Zweiten Weltkrieg. Wenn auch nicht spektakulär heldenhaft, so doch beharrlich und unerschrocken gegen den Strom schwimmend haben sich dabei die Vorkämpfer Stimme verschafft. „Europa ist Zukunft – Nationalismus war gestern“: Diese Idee zog sich durch diese Geschichte des Widerstands. Die Werte und Haltungen hinter dieser Überzeugung seien heute die „DNA Kreisaus“, sie werden polnischen und deutschen Jugendlichen dort vermittelt.
Veranstaltungs-Info
Das Projekt eines vereinten Europas hat den sich einst bekriegenden Nationen des Kontinents jahrzehntelang Frieden und Wohlstand geschenkt. Seit einiger Zeit aber kommt dieses Erfolgsprojekt ins Stocken und wird vielfach in Frage gestellt.
Im kleinen schlesischen Dorf Kreisau/Krzyżowa spielte sich große Geschichte ab. Hier traf sich im Zweiten Weltkrieg die deutsche Widerstandsgruppe „Kreisauer Kreis“, die Pläne eines vereinten Europas schmiedete. Hier fand 1989 die Versöhnungsmesse statt, ein symbolischer Akt der deutsch-polnischen Annäherung. Hier schufen 1990 die deutsche und die polnische Zivilgesellschaft einen Ort der Begegnung und des Dialogs. Inwiefern kann die Geschichte und Gegenwart Kreisaus dazu inspirieren, Europa zu stärken und die Herausforderungen für unsere Demokratie zu bewältigen?
Dr. habil. Robert Żurek studierte Geschichte und katholische Theologie. Den Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Interessen bilden die deutsch-polnischen Beziehungen im 20. Jahrhundert, insbesondere der Versöhnungsprozess nach dem Zweiten Weltkrieg. Żurek war stellvertretender Leiter im Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften sowie Leiter der Breslauer Niederlassung des Instytut Pamięci Narodowej (dt. Institut für Nationales Gedenken). Seit 2016 ist er geschäftsführender Vorstand der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung.
Begleitprogramm der Ausstellung »Ein Gentleman auf Schlesien-Reise. Die Briefe des John Quincy Adams«.
In Zusammenarbeit mit: Die AnStifter und dpg Deutsch-Polnische Gesellschaft Landesverband Baden-Württemberg
Der Eintritt ist frei.
Einlass bis zum Erreichen der höchstzulässigen Besucherzahl.
Der Veranstaltungssaal ist nicht barrierefrei.
Foto Kreisau: Krzyżowa-Music/Musik aus Kreisau. Für Europa.

