Der »schöne« Blick: Idealisierte und romantisierte Landschaftsdarstellungen von Schlesien um 1800 bis 1850
Die Kunsthistorikerin Johanna Brade zeigte im HdH BW eine Fülle von Druckgraphiken, die im frühen 19. Jahrhundert als Souvenirs von Schlesien-Reisenden gekauft wurden. Auch der spätere US-Präsident John Quincy Adams erwarb einige Exemplare. Sie hängen noch heute prominent in seinen Wohnräumen, die als Museum besichtigt werden können.
An einer Vielzahl von Beispielen legte Johanna Brade dar, was solche Drucke leisten sollten: Sie sollten das „Merkwürdige“ betonen – herausstellen, was dem Reisenden erinnerungswürdig erschien. Und das hatte und hat noch heute weniger mit der Realität der Landschaft oder Stadtansicht zu tun, viel mehr mit Moden, Ideen und Sehgewohnheiten der jeweiligen Zeit.
Drucke nach Gemälden des Malers Sebastian Carl Christoph Reinhardt zeigten spätbarock inszenierte Ideallandschaften. Schloss Buchwald im Hirschberger Tal wurde dargestellt in Anlehnung an die damals modernen englischen Landschaftsgärten. Radierungen von Anton Balzer bildeten Wanderer in grandiosen Gebirgslandschaften ab, die Betrachter sollten den romantischen „Schauer des Erhabenen“ erleben. Selbst erste Industrieanlagen wurden in spektakulärer Farbwirkung festgehalten. Im Laufe der Zeit erhielten dann die im Bildvordergrund eingesetzten Figurenstaffagen mehr Gewicht und die Landschaften verloren an Bedeutung. Johanna Brades Zeitreise durch die visuellen Reiseerinnerungen ließe sich bis in die Gegenwart fortsetzen.
Veranstaltungs-Info
Fotos und Filme von Handys und Kameras frischen heute Reiseeindrücke auf. Vor zweihundert Jahren etablierte sich in Schlesien eine florierende Kunstgattung: Druckgrafiken als Erinnerungsbilder für Urlaubs- und Kurgäste boten neben schlesischen Stadtansichten und Riesengebirgsidyllen pittoreske Motive wie Felsformationen, Bauden, Bergspitzen, Wasserfälle, Brücken über Gebirgsbäche oder Schlösser, Burgen und Parks.
Kupferstiche, Radierungen und Lithographien zeigten einen Landstrich „wie im Bilderbuch“. John Quincy Adams legte sich gleich vier Kupferstiche schlesischer Ansichten als Souvenir zu, von denen zwei in der Ausstellung als originale Drucke zu sehen sind.
Die Kunsthistorikerin und Autorin Dr. Johanna Brade war von 1999 bis 2024 Kuratorin von Ausstellungen im Schlesischen Museum in Görlitz. Sie war prägend am Aufbau ganzer Sammlungen zur bildenden Kunst beteiligt, die heute über 7.000 Gemälde, Grafiken sowie bildhauerische und textilkünstlerische Arbeiten umfassen.
Begleitprogramm der Ausstellung »Ein Gentleman auf Schlesien-Reise. Die Briefe des John Quincy Adams«.
Die Ausstellung ist bis kurz vor Veranstaltungsbeginn geöffnet.
Der Eintritt ist frei.
Einlass bis zum Erreichen der höchstzulässigen Besucherzahl.
Der Veranstaltungssaal ist nicht barrierefrei.

