Auguste Hauschner: »Ein irrender Mensch mit dem anderen«
Wahrscheinlich kennt niemand die Prager Schriftstellerin, Journalistin und Salonnière Auguste Hauschner (1850–1924) heute so gut wie die Augsburger Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Bettina Bannasch. Im HdH BW hielt sie ein flammendes Plädoyer dafür, sich mit ihren kaum noch bekannten Werken zu befassen. Hauschner war keine Avantgardistin, sie schuf keine Sprach-Experimente, wurde nicht surreal, verstörte nicht mit tiefenpsychologischen Blicken. Dafür sind Zeitgenossen wie Kafka oder Schnitzler heute noch bekannt. Sie blieb dem Realismus verpflichtet, wollte „auf unterhaltsame Weise Wirklichkeit abbilden“. Besonders in den beiden Romanen „Die Familie Lowositz“ und „Rudolf und Camilla“, im HdH BW las Rahel Ehret Auszüge, entwarf sie große Figurentableaus und benutzte sie, um in Dialogen Ideen zu diskutieren. So vermittelte Hauschner emanzipatorisch und undogmatisch Wissen, denn: Bildung war für sie „unverzichtbar für den sozialen Aufstieg und die Entwicklung der Persönlichkeit“, so Bannasch. Immer wieder machte sie die Rolle der Frau, das Verhältnis Mann-Frau zum Thema. Sie wirkte, selbst begütert, karitativ, setzte sich für Flüchtlingskinder ein, nahm Philosophie-Unterricht bei Gustav Landauer – eine bemerkenswerte, mutige Frau mit klarem Blick auf soziale Missstände: Zum Abschluss des Abends las Rahel Ehret die Erzählung „Recherche“, eine treffsichere Satire auf die selbstgefällige Wohltätigkeit der sogenannten „höheren Kreise“.
Veranstaltungs-Info
Das Werk der Prager Schriftstellerin, Journalistin und Salonnière Auguste Hauschner (1850–1924) thematisiert und gestaltet das enge Wechselverhältnis der Emanzipationsbewegungen und -diskurse von Juden, Frauen und sozial Benachteiligten um 1900. Es artikuliert sich darin eine Stimme des liberalen deutschsprachigen Judentums, die für ihre Zeit als repräsentativ gelten darf. Angesichts der religiösen Erneuerungsbewegungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts vertritt Hauschner dezidiert säkulare Auffassungen, beruft sich dabei emphatisch auf die Errungenschaften der Aufklärung und auf die emanzipatorische Kraft von Bildung. Sie wurde nicht nur vom breiten Publikum und der Kritik geschätzt, sondern stand auch mit Zeitgenossen wie Max Brod, Gustav Landauer oder Arthur Schnitzler im regen Austausch. Anders als diese Männer geriet sie in der Folge weitgehend in Vergessenheit.
Prof. Dr. Bettina Bannasch, Professorin für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Augsburg, führt in Leben und Werk ein. Rahel Ehret, Sprecherin und Sprecherzieherin aus Stuttgart, liest aus Romanen, Artikeln und Briefen.
Begleitprogramm der Ausstellung »Keine Nacht so dunkel«
Der Eintritt ist frei.
Einlass bis zum Erreichen der höchstzulässigen Besucherzahl.
Der Veranstaltungssaal ist nicht barrierefrei.

