Vielfalt – Tragik – Erinnern:
Jüdisches Leben in Czernowitz/Chernivtsi
Czernowitz umgibt ein Mythos – an diesem Ort entstand eine sprachliche und kulturelle Welt, die in der europäischen Kulturgeschichte wohl einzigartig war. Die jüdische Bevölkerung hatte daran entscheidenden Anteil: Sie verhalf Czernowitz zu jener Blüte, an die bis heute erinnert wird. Der Vortrag zeigt anhand von (alltags)geschichtlichen Beispielen, was das vielfältige jüdische Leben auszeichnete. Er stellt wichtige literarische Stimmen vor und benennt jene Zäsuren, die diesen Ort grundlegend veränderten und durch den Holocaust zum Teil in einen Erinnerungsraum überführten. Aufgrund einer mehrjährigen Vor-Ort-Erfahrung des Vortragenden fließen zahlreiche persönliche Eindrücke ein, die bis in die ukrainische Gegenwart von Chernivtsi reichen.
Dr. Markus Winkler ist wissenschaftlicher Projektmitarbeiter des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas e. V. an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er forscht zur jüdischen Geschichte und den Transformationsprozessen in Mittel- und Osteuropa sowie zur deutsch-jüdischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Zuvor war er an der Nationalen Universität Chernivtsi (Ukraine) tätig und hatte mehrjährige Forschungsaufenthalte in Großbritannien und Rumänien.
In der Reihe: Jüdisches Leben in Königsberg/Kaliningrad und Czernowitz/Chernivtsi
Das östliche Europa war über Jahrhunderte reich an jüdischen Gemeinden von großer, überregionaler Strahlkraft – unter ihnen auch deutschsprachige. Der Holocaust löschte das jüdische Leben dort aus. Heute ist jüdische Geschichte an vielen Orten wieder sichtbar, vor allem dank zivilgesellschaftlicher Initiativen. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion entstanden kleine jüdische Gemeinden, die im Laufe der Jahrzehnte gewachsen sind: Synagogen wurden renoviert oder wiederaufgebaut, Museen neu gegründet, Kontakte ins Ausland geknüpft.
Die Vorträge zeigen aktuelle Perspektiven auf jüdisches Leben in Städten der ehemaligen Sowjetunion – nicht zuletzt vor dem Hintergrund des russischen Kriegs gegen die Ukraine, seiner materiellen wie kultur- und erinnerungspolitischen Folgen.
Der Eintritt ist frei.
Einlass bis zum Erreichen der höchstzulässigen Besucherzahl. Der Veranstaltungssaal ist nicht barrierefrei.
Eine Zusammenarbeit mit: Evangelisches Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart, Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München e. V. (ikgs), forum jüdischer bildung und kultur e. V. (fjbk)

