An der Wegscheide
Jüdisches Leben im ländlichen Böhmen, 1800–1938
Jedes Jahr ziehen der Alte Jüdische Friedhof und die Synagogen in Prag über eine halbe Million Besucher an. Dabei gerät leicht aus dem Blick, dass bis ins 20. Jahrhundert hinein ein beträchtlicher Teil der jüdischen Bevölkerung Böhmens weit verstreut auf dem Land lebte. Der Vortrag von Martina Niedhammer geht den Gründen dieser ungewöhnlichen Siedlungsstruktur nach und thematisiert die Auswirkungen, die die zunehmende Urbanisierung hatte: die Sorge um leerstehende Synagogen und Rabbinerhäuser in den Landgemeinden, aber auch die nostalgische Erinnerung der Weggezogenen. Beides fand seinen Niederschlag in der deutsch- und tschechischsprachigen Erzähl- und Memoirenliteratur. Pauline Ferber liest Auszüge, z. B. aus der titelgebenden Erzählung von Vojtěch Rakous (1862–1935).
Prof. Dr. Martina Niedhammer ist Mitautorin des Standardwerks »Zwischen Prag und Nikolsburg. Jüdisches Leben in den böhmischen Ländern«. Aktuell vertritt sie den Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Pauline Ferber studiert Sprechkunst und Sprecherziehung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Ihr besonderes Interesse gilt der Frage, wie sich Erinnerungen, kulturelle Identität und historische Erfahrung im Klang der Sprache ausdrücken lassen.
Begleitprogramm der Ausstellung »Keine Nacht so dunkel«
Der Eintritt ist frei.
Einlass bis zum Erreichen der höchstzulässigen Besucherzahl.
Der Veranstaltungssaal ist nicht barrierefrei.
Bild: Illustration von Adolf Kašpar, erschienen 1914 in der tschechischen Originalfassung „Na rozcestí“ der Erzählung „An der Wegscheide“ von Vojtěch Rakous

