Juni 2018

Philippe Sands
Rückkehr nach Lemberg
Über die Ursprünge von Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Übersetzt von Reinhild Böhnke

Als der bekannte Anwalt für Menschenrechte Philippe Sands eine Einladung nach Lemberg erhält, ahnt er noch nicht, dass dies der Anfang einer erstaunlichen Reise ist, die ihn um die halbe Welt führen wird. Er kommt einem bewegenden Familiengeheimnis auf die Spur, und stößt auf die Geschichte zweier Männer, die angesichts der ungeheuren NS-Verbrechen alles daran setzten, diese juristisch zu fassen. Sie prägten die zentralen Begriffe, mit denen seitdem der Schrecken benannt und geahndet werden kann: 'Verbrechen gegen die Menschlichkeit' und 'Genozid'. Meisterhaft verwebt Philippe Sands die Geschichte von Tätern und Anklägern, von Strafe und Völkerrecht zu einer kraftvollen Erzählung darüber, wie Verbrechen und Schuld über Generationen fortwirken.

Rückkehr nach Lemberg wurde ausgezeichnet mit dem renommierten Baillie Gifford Prize und dem Wingate Literaturpreis 2016 und war Buch des Jahres bei den British Book Awards 2017.

(Klappentext)


Pressestimmen

» Eines der spannendsten, lesbarsten, klügsten, bewegendsten - schlicht besten 'Sachbücher' [...] Mit anderen Worten: große Literatur.«
Peter Rutkowski, Frankfurter Rundschau


» Wie Sands in seinem Buch familien- und rechtshistorische Linien verwebt, [...] macht aus dem Kernstoff - der Familienrecherche - ein Dokument grosser emotionaler und politischer Kraft.«
Thomas Wadmann, Basler Zeitung


» Mit den Biografien dieser Menschen verwebt Philippe Sands die Geschichte eines Jahrhunderts. Er erzählt, wie Geschichte entsteht.«
Elisabeth von Thadden, DIE ZEIT


» Ein faszinierendes Buch, das auf ganz beiläufige Weise die Grundfragen unserer Existenz aufwirft.«
Joachim Gaertner, Arte/Metropolis


»Die meisterhaft verwobene Erzählung von Familiengeschichte und Rechtsgeschichte erstreckt sich über mehr als 100 Jahre. [...] Sands' persönlicher, ja intimer Ansatz berührt. «
Katharina Stegelmann, Der SPIEGEL


»Klug und sehr berührend. «
Focus




Sands, Philippe: Rückkehr nach Lemberg . Über die Ursprünge von Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit / Böhnke, Reinhild (Übersetzt) Verlag S. Fischer, 2018, ISBN-13 9783103973020

Quelle : Verlag S. Fischer



Mai 2018

Jörg Armbruster
Willkommen im gelobten Land?
Deutschstämmige Juden in Israel

Was geschah mit den Juden, die vor dem zunehmenden Naziterror in den dreißiger Jahren nach Eretz Israel flüchteten? Und wie erging es den Holocaust-Überlebenden, die nach dem Zweiten Weltkrieg in das "Gelobte Land" auswanderten, um dort ein neues Leben zu beginnen? Sie mussten ihr Umfeld, ihre Kultur, ihre Sprache, ja ihre gesamte Lebensgrundlage hinter sich lassen. Sie landeten oft mit nichts als einem Bündel traumatischer Erfahrungen und der Hoffnung im Gepäck, hier einen sicheren Zufluchtsort zu finden. Doch in vielen Fällen ging dieser Wunsch lange nicht in Erfüllung. Von früheren Einwanderergenerationen wurden sie "Jeckes" genannt, und das war nicht nur spöttisch, sondern durchaus auch abfällig gemeint. "Kommst du aus Überzeugung oder aus Deutschland?", lautete eine gängige Redewendung. Die von Flucht oder Lagerleben gezeichneten Menschen, die in den palästinischen, später israelischen Hafenstädten an Land gingen, wurden oft argwöhnisch als Fremde beäugt und blieben es auch lange. Sie entsprachen nicht dem Ideal des zionistischen Pioniers, der beherzt zupackt, um einen neuen Staat zu erschaffen.

Jörg Armbruster ist durch Israel gereist, um mit möglichst vielen dieser heute um die neunzig Jahre alten Zeitzeugen zu reden. Hier ist er auf bewegende Lebensgeschichten gestoßen, die Überlebensgeschichten sind - bestimmt von dem Willen, sich gegen alle Widerstände zu behaupten. Und er erzählt davon, wie Herkunft und Erfahrungen der aus Deutschland vertriebenen Menschen deren Nachfahren in der zweiten und dritten Generation bis heute prägen. Ein Buch über die "immerwährende Gegenwart der Vergangenheit in Israel", ohne die ein Verständnis für das Geschehen im Nahen Osten unvollständig bleibt.

(Klappentext)


Pressestimmen

» Es ist ein ungemein dicht erzähltes Buch geworden«
Claudia Irle-Utsch, Siegener Zeitung


» Ein interessanter Aspekt, den Armbruster in seinem Buch aufgreift: Viele deutschstämmige Einwanderer sprachen sich damals für eine binationalen jüdisch-arabischen Staat aus - ein Ziel, das heutzutage in immer weitere Ferne rückt.«
Ina Frank, Schwarzwälder Bote


» Eine wichtige Erkenntnis, die Armbruster aus den Gesprächen gewann, lautete, dass auch die Kinder der Holocaustüberlebenden Traumata davongetragen haben.«
Dierk Hartleb, Westfälische Nachrichten


» Auf der anderen Seite beginne die israelische Selbstgewisseheit zu bröckeln, einen moralisch und politisch besseren Staat gegründet zu haben. Auch das steht in Armbrusters wichtigem Buch.«
Insa Wilke, Zeit Online




Jörg Armbruster: Willkommen im Gelobten Land? ISBN:978-3-455-50417-0. Hoffmann & Campe, 2016.- 288 S.

Quelle : Hoffmann und Campe



April 2018

Irina Scherbakowa
Die Hände meines Vaters
Eine russische Familiengeschichte

Aus dem Russischen von Susanne Scholl

Die Hände meines Vaters ist eine epische russische Familiengeschichte vor dem Panorama der Oktoberrevolution, der Weltkriege wie des ganzen 20. Jahrhunderts.

Irina Scherbakowas jüdische Grossmutter hat die Pogrome, die Oktoberrevolution und den Bürgerkrieg von 1917/18 überlebt. Ihr Vater kämpfte als Offizier im Zweiten Weltkrieg vor Stalingrad. Und sie selbst wuchs zur Stalinzeit in Moskau auf: Irina Scherbakowa stammt aus einer Familie, die alle Schrecknisse des 20. Jahrhunderts miterlebt hat. Und doch empfindet die renommierte russische Publizistin ihre Familiengeschichte als eine glückliche - sind ihre Vorfahren und sie doch immer wider alle Wahrscheinlichkeit davongekommen. Und so wird Irina Scherbakowas Buch zu einem beeindruckenden Porträt nicht nur einer Familie, der es stets mit viel Glück gelang, düstere Zeiten zu überstehen, sondern auch und vor allem die mitreissende Geschichte eines bewegten Jahrhunderts.

(Klappentext)


Pressestimmen

» Unzählige Leben in wenigen Zeilen«
Die Wochenzeitung


» [...]eine persönliche und detaillierte Antwort auf die Frage, wie der russische Staat im 20. Jahrhundert seine Bürger missbraucht hat und wie er das weiterhin tut, solange die alten Verbrechen nicht aufgearbeitet sind.«
Süddeutsche Zeitung


» Die Chronologie ist nicht stringent, Irina Scherbakowa erzählt mit zahlreichen Vor- und Rückgriffen. Aber sie schildert stets plastisch den sowjetischen Alltag, seine Tristesse und die allgegenwärtige Angst vor der Willkür des kommunistischen Regimes.«
Sabine Adler, Deutschlandfunk




Irina Scherbakowa: Die Hände meines Vaters - Eine russische Familiengeschichte. Aus dem Russischen von Susanne Scholl, München: Droemer und Knaur, 2017, ISBN 9783426277102

Quelle : Droemer und Knaur



März 2018

Philipp Ther
Die Außenseiter
Flucht, Flüchtlinge und Integration im modernen Europa

Flucht und Integration gehören zu den beherrschenden Themen der Gegenwart. Sie sind ein maßgeblicher Grund für den Aufstieg rechtspopulistischer Parteien und drohen, die EU zu spalten. Ein Blick in die Tiefen der Geschichte relativiert allerdings die 'Flüchtlingskrise' des Jahres 2015. Seit 1492 die sephardischen Juden von der iberischen Halbinsel vertrieben wurden, ist Europa immer ein Kontinent der Flüchtlinge gewesen.

Philipp Ther geht den Gründen der Flucht nach: religiöser Intoleranz, radikalem Nationalismus und politischer Verfolgung. Anhand von Lebensgeschichten veranschaulicht er die Not auf der Flucht, identifiziert Faktoren für gelingende Integration und erörtert das wiederholte Versagen der internationalen Politik sowie die Lehren, die daraus etwa in der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 gezogen wurden. Der Humanitarismus ist, wie Ther zeigt, in der Flüchtlingspolitik stets brüchig gewesen. Doch auch wenn heute einmal mehr die Angst vor einem Scheitern der Integration dominiert, haben die Zielländer fast immer von der Aufnahme von Flüchtlingen profitiert. Das belegt insbesondere die deutsche Nachkriegsgeschichte, als gerade die junge Bundesrepublik zu einem Flüchtlingsland wurde.

» Historisch betrachtet, waren Flüchtlinge fast immer eine Bereicherung.«

(Klappentext)


Pressestimmen

» Ein Buch, das zeigt, wie wichtig der geschichtliche Blick ist, um das Heute gelassener zu analysieren. Eines der besten Sachbücher des Jahres.«
Eva Thöne, SPIEGEL ONLINE


» [Dieses Buch bringt] einen umfassenden Überblick über die Vielzahl selbst wenig bekannter Fluchtbewegungen sowie über die Härten und Risiken, denen Menschen auf der Flucht, aber auch noch danach ausgesetzt waren. [...] Ein Panorama also des Gestaltungsspielraums in der Flüchtlingsfrage, aber auch die Mahnung nicht immer wieder die gleichen Fehler zu machen.«
Johanna Herzig, Deutschlandfunk


» Der Text dieser Abhandlung ist gut lesbar und bietet auch dem interessierten Laien einen vielschichtigen und umfangreichen Zugang zur historischen Betrachtung jener Phänomene der Flucht und Migration, von denen viele heute denken, dass es sich um ganz neue Phänomene handelt. Wer dieses Buch gelesen hat, weiß es besser!«
kulturbuchtipps.de


»[...] ein europäisches Menschheits-Panorama. Klarer lässt sich eine Studie kaum bauen, angesichts der Abermillionen, die durch die Jahrhunderte wandern.«
Elisabeth von Thadden, DIE ZEIT


» Die Außenseiter ist eine ebenso informierte wie kluge Erkundung der Geschichte von Flucht und Integration in Europa seit dem Ende des 15. Jahrhunderts geworden.«
Jens-Christian Rabe, Säddeutsche Zeitung




Philipp Ther: Die Außenseiter - Flucht, Flüchtlinge und Integration im modernen Europa. Berlin: Suhrkamp, 2017, ISBN 9783518427767

Quelle : Suhrkamp Verlag



Februar 2018

Olga Martynova
Der Engelherd
Roman

Caspar Waidegger ist ein bekannter Schriftsteller, kühl und unnahbar und scheinbar arrogant. Er hat eine behinderte Tochter, die er regelmäßig im Pflegeheim besucht, und er hat eine junge Geliebte, die Literaturwisenschaftlerin Laura Schmitz, die über ihn ihre Doktorarbeit schreibt. Olga Martynovas neuer Roman erzählt vom Eigensinn und der Lebendigkeit dieser drei Menschen und von der schwierigen Liebe eines ungleichen Paars.

Parallel springt der Roman immer wieder in die Vergangenheit: Bei einem Treffen in Waideggers Haus entsteht die Idee, reihum eine Art Unterhaltungsroman mit dem Titel 'Zwischenfall am See' zu erzählen. Waidegger verfolgt die Idee alleine weiter, und was dabei entsteht, ist die Geschichte einer Schauspielerin, die im Nationalsozialismus Karriere macht und deren ebenfalls behinderte Tochter von Euthanasie-Ärzten ermordet wird. Doch die Geschichte hat mehr mit Waideggers Leben zu tun, als er denkt.

Und dann sind da immer wieder Engel, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbinden. Ein 'Engelsüchtiger' versucht, die Gespräche dieser Engel zu verstehen und zu übersetzen. Sie tummeln sich in einem Buch von Waideggers Tochter, und sie sind mitten unter uns. Todesengel manchmal. Vor allem aber Schutzengel, die ratlos und entsetzt auf unser Tun schauen - und uns nicht vor uns selbst beschützen können.

Es geht um die Liebe in Olga Martynovas neuem Roman. Es geht um die Frage, wie frei oder gefangen wir sind. Um Familie und Verantwortung also und die Frage, was normal ist und was verrückt. Und es geht um Engel, die entsetzt auf unsere Grausamkeit starren, die rätseln über unser Tun und uns nicht beschützen können. Es geht also um alles in Olga Martynovas neuem federleicht geschriebenen Roman. Und weil alles verloren wäre ohne die Literatur, geht es auch darum: das Wunder des Erzählens.

(Klappentext)


Pressestimmen

» Kompliziert und aus schwerem Stoff, aber doch im Ergebnis von der Federleichtigkeit, die nur die Literatur so scheinbar ohne weiteres aufbauen kann [...] ein enormer Roman.«
Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau


» Märchenhaft.[...] Es geht um Liebe, um Verantwortung, Schuld, um alles, vor allem aber geht es um Martynovas Dichtung und originellen Gedanken.«
Peter Pisa, Kurier


» Ein hochambitioniertes Projekt [...] Der literarische Aufwand, den Olga Martynova betreibt, ist beträchtlich.«
Meike Fessmann, Der Tagesspiegel


» [...]so leichtfüßig verspielt, so vielschichtig bildstark, so überirdisch irdisch [...]«
Karin Waldner Petutschnig, Kleine Zeitung


» Ein filigraner, dicht gewebter und raffiniert komponierter Roman, der Sensibilität und sprachliche Eleganz mit Sinnlichkeit und Ironie verbindet. [...] ungewöhnlich, originell und sehr poetisch.«
Wolfgang Seibel, Österreichischer Rundfunk/Ö1/Ex libris




Olga Martynova: Der Engelherd. Roman. Frankfurt am Main: Fischer, 2016, ISBN: 978-3-10-002432-9

Quelle : Fischer Verlag



Januar 2018

Ivan Ivanji
Schlussstrich
Roman

Rudolf von Radványi, ein ungarischer Jude, lebt im Belgrad des Jahres 1941 ein nicht ungefährliches Doppelleben: Zum einen ist er Dolmetscher der deutschen Intendantur, gedeckt von Oberst Martin Hellmer, mit dem ihn eine gemeinsame Vergangenheit verbindet, und zum anderen arbeitet er als Kommunist im Verborgenen gegen das nationalsozialistische Regime. Wie konnte es dazu kommen?

Meisterhaft komponiert Ivan Ivanji eine Familiensaga, die rund hundertfünfzig Jahre überspannt: Beginnend bei den Rotbarts in Betschkerek im Banat der 1880er Jahre, als der junge Leopold seinen Nachnamen in Radványi ändert und dann Tierarzt wird, über seinen Sohn Ferenc, genannt Ferko, den Arzt, und dessen Sohn Rudolf, die beide - ohne es voneinander zu ahnen - als Partisanen gegen die deutschen Truppen kämpfen, bis hin zu Goran, dem Nachkriegskind, der den Zerfall Jugoslawiens miterlebt und seine Zukunft jenseits der Heimat sieht.

(Klappentext)


Pressestimmen

» Ivanji ist ein beachtliches Werk gelungen: Er verknüpft meisterhaft Schicksale, lässt Beziehungen glücken und scheitern, große und kleine Tragödien geschehen ... Er begleitet diese liebenswerten Menschen durch die sich verändernde Gesellschaft, von den Schrecken der Naziherrschaft bis hin zum Zerfall Jugoslawiens. Er malt das warmherzige Bild einer gleichsam selbstverständlich multikulturellen Welt. «
Die Presse


» ... eine Art jüdischer Buddenbrooks«
Illustrierte Neue Welt


»Ein glänzendes Sitten- und Sippengemälde der Zeit vom 19. Jahrhundert bis zum Zerfall Jugoslawiens (...) Ein bemerkenswertes Buch!«
bn.bibliotheksnachrichten




Ivan Ivanji: Schlussstrich. Roman. Wien: Picus Verlag, 2017, SBN: 978-3-7117-2051-1

Quelle : Picus Verlag