Lesung & Gespräch

Montag, 14. Mai 2018, 20 Uhr, Hospitalhof

Wiesenstein


Hans Pleschinski

Lesung und Gespräch. Moderation: Julia Schröder

"Ein großer Roman über Gerhart Hauptmanns letztes Jahr (…), nicht zuletzt auch ein Appell an die Menschlichkeit gegenüber Flüchtlingen und Heimatvertriebenen." (Martin Halter, Stuttgarter Nachrichten)

Der alte Mann, eine Berühmtheit, Nobelpreisträger, verlässt mit seiner Frau das Sanatorium, wo beide Erholung gesucht haben, und wird mit militärischem Begleitschutz zum Zug gebracht. Doch es ist März 1945, das Sanatorium Dr. Weidner liegt im eben zerstörten Dresden, und der Zug fährt nach Osten. Gerhart und Margarete Hauptmann wollen nirgendwo anders hin als nach Schlesien, in ihre Villa „Wiesenstein“, ein prächtiges Anwesen im Riesengebirge. Dort wollen sie weiterleben, in einer hinreißend schönen Landschaft, und ein immer noch luxuriöses Leben für den Geist führen - inmitten der Barbarei.

Hans Pleschinski erzählt in Wiesenstein vom Leben Gerhart Hauptmanns, von Verzweiflung, Angst und Liebe. Er erzählt vom Ende des Krieges, dem Verlust von Heimat und von der großen Flucht, von der Zerrissenheit und Doppelgesichtigkeit Hauptmanns, basierend auf zahlreichen Dokumenten und Tagebuchaufzeichnungen.

In Kooperation mit dem Literaturhaus Stuttgart und dem Hospitalhof

Die Veranstaltung findet im Hospitalhof statt.

Hospitalhof, Büchsenstraße 33, 70174 Stuttgart
Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln:
S-Bahn Linien 1-6
Haltestelle Stadtmitte, Ausgang Büchsenstraße/Richtung Liederhalle

Eintritt: Euro 10,-/ 8,- / 5,-
Verkauf über das Literaturhaus
www.literaturhaus-stuttgart.de

"In jedem Menschen ruht ein Tanz"

...dieses Zitat wählt Hans Pleschinski als Versuch, den Menschen und Schriftsteller Gerhart Hauptmann in möglichst knappen Worten fassen zu bekommen. Ein griffiges Bild, so wie etwa für Thomas Mann, findet er als Antwort auf die Frage von Julia Schröder nicht – dazu sei Hauptmann zu komplex.

Das Zentrum, um das Pleschinski sämtliche Lebensstationen des Literaturnobelpreisträgers konstruiert, ist ein räumliches: Wiesenstein, die pompöse Villa in Schlesien, in der Hauptmann residierte. Diese Inszenierung in Goethe-Manier, Pilgerstätte für Künstler und Kulturtouristen schon zu Hauptmanns Lebzeiten, habe ihn fasziniert, die „bizarren Details“ neugierig gemacht: Noch 1944, der Krieg im Osten tobte, galt in Wiesenstein beim Abendessen Frackzwang. Es wurde gelesen, gedichtet – viel getrunken, die „Wiesenstein-Titanic“, der „deutsche Kulturkasten“, ignorierte die Außenwelt. Pleschinski sieht in dem Schlesier die endgültige „Zusammenfassung des deutschen Bildungsbürgertums“, und entsprechend sei dieser als hochbetagter Mann in sein Verderben gerannt.

Gerhart Hauptmann ging nach 1933 nicht ins Exil, auch wenn er den Brand des Reichstags als Zivilisationsbruch erlebte. Der Vergleich mit Thomas Mann steht auch bei der Veranstaltung im Hospitalhof Stuttgart, die in Kooperation mit dem Literaturhaus stattfand, immer wieder im Raum. Pleschinski betont die ungleiche Situation der beiden Schriftsteller: Der Dichter der „Weber“ 10 Jahre älter, tief verwurzelt in seinem Schlesien, ein „Mensch der Kompromisse“ – Thomas Mann schon wegen der jüdischen Herkunft seiner Frau Katia gezwungen, das nationalsozialistische Deutschland zu verlassen. Pleschinski: „80 Millionen Deutsche sind im Land geblieben.“

Gerhart Hauptmann ist eine komplexe Figur voller Widersprüche und ein Schriftsteller mit einem gewaltigen Werk. Julia Schröder empfiehlt „Wiesenstein“ als (immerhin) 500-seitigen Schnellkurs für Neugierige.

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