Dezember 2014

Varujan Vosganian

Buch des Flüsterns

Roman

„Ich spielte unter dem Tisch im Hof, wenn die Alten sich Geschichten erzählten oder schöne Lieder traurigen Inhalts summten… Schickt das Kind hier weg, sagte manchmal eine der Tanten. Lass es da, sagte Großvater. Immer bleibt einer übrig, der erzählt. Vielleicht wird gerade er einmal der Erzähler sein.“ Heute, mehr als ein halbes Jahrhundert später, breitet Varujan Vosganian – das Kind von damals, der Erzähler von jetzt – einen Teppich an Geschichten und Figuren vor uns aus, wie er feiner nicht gewebt sein könnte. In Focsani, einer rumänischen Provinzstadt, scheinen sich die Wege des aus seiner Heimat vertriebenen armenischen Volkes zu kreuzen. Wir erfahren von Sahag, den seine Mutter für einen Sack Mehl an einen Araber verkaufen musste, um die Schwester vor dem Tod zu retten; von Siruni, der von den Russen nach Sibirien deportiert wurde, nachdem er von seinen eigenen Leuten der Kollaboration mit den Deutschen bezichtigt worden war, von weltweiten Kommandoaktionen der Armenier gegen die für den Genozid verantwortlichen Türken und immer wieder von Großvater Garabet, der weise die Fäden dieser so wundersamen wie grausamen Saga zusammenhält. Varujan Vosganian verwandelt das Schicksal des armenischen Volkes in einen epochalen Roman.

(Klappentext)


Pressestimmen

"Ein Füllhorn eindrucksvoller Figuren und bald wundersamer, bald komischer, oft aber auch grausamster Geschichten. (…) Ein außerordentliches, vom tragischen Sinn der Historie beherrschtes Fresko."
Jan Koneffke, Neue Zürcher Zeitung


"Ein literarisches Werk erster Güte, eine Art von Gegen-Geschichtsschreibung, in der nicht nur die grausamen Fakten aufgerollt, sondern auch die Träume, die Illusionen, die glücklichen Momente derer aufgehoben sind, die dem großen Schlachten entkamen und, versehrt in der Seele, weiterlebten."
Karl-Markus Gauß, Süddeutsche Zeitung


"Mit seiner poetischen, präzis-lakonischen Sprache, kongenial und einfühlsam von Ernest Wichner ins Deutsche gebracht, ist dies wahrlich ein Jahrhundertbuch. (…) Der Roman (…) dürfte neben Franz Werfels „Vierzig Tage des Musa Dagh“ in die Literaturgeschichte eingehen."
Sabine Berking, Frankfurter Allgemeine Zeitung


"Eine Art südosteuropäisches Gegenstück zu Gabriel García Márquez' >Hundert Jahre Einsamkeit<."
Der Spiegel



Varujan Vosganian: Buch des Flüsterns .- Roman Wien: Zsolnay, 2013. – 508 S.
ISBN 978 3 532 05646 6





November 2014

Vera Lourié

Briefe an Dich

Erinnerungen an das russische Berlin
Herausgegeben von Doris Liebermann

BRIEFE AN DICH sind die Erinnerungen der letzten Zeitzeugin des »russischen Berlins« der zwanziger Jahre. In einer Mischung aus Tagebuch und Briefen schildert Vera Lourié ihre Kindheit und Jugend in St. Petersburg, wo sie behütet aufwuchs und sich als junge Frau der Schauspiel- und Dichtkunst zuwandte. Sie erzählt von der dramatischen Flucht der Familie nach der Oktoberrevolution ebenso anschaulich wie von den russischen Kreisen in Berlin, wo sie in einer Bohème aus Künstlern und Literaten verkehrte, Intrigen und Liebesaffären erlebte.

Den Nationalsozialismus überlebte sie trotz ihrer Kontakte zum deutschen Widerstand, der Festnahme durch die Gestapo und der Inhaftierung ihrer Mutter im KZ Theresienstadt. Ihre beherzte Geistesgegenwart kam ihr auch zugute, als die sowjetische Armee, die bürgerlichen russischen Flüchtlingen feindlich gesonnen war, 1945 einmarschierte. Sie überstand Not und Hunger der Nachkriegszeit und war lange vergessen, bis sie als Literatin und Zeitzeugin wiederentdeckt wurde und sich im hohen Alter noch einmal verliebte. Dies bestärkte sie in der Niederschrift ihrer Erinnerungen, die nun endlich, um autobiografische Texte, Dokumente und Fotos aus dem Nachlass ergänzt, erstmals vollständig veröffentlicht werden.

(Klappentext)


Vera Lourié, 1901 in St. Petersburg geboren, gehörte einer Dichtergruppe um Nikolaj Gumiljow an und floh mit ihrer Familie 1921 nach Berlin. Sie überlebte dort den Nationalsozialismus, den Krieg und den Einmarsch der Roten Armee. In den 80er Jahren wurde sie erstmals als Zeitzeugin befragt und ein Band mit ihren Gedichten publiziert. Vera Lourié starb 1998.

Pressestimmen

"In Vera Louriés Erinnerungen leuchtet noch einmal die russische Moderne auf - ein kostbares Geschenk!"
Olga Martynova, Bachmann-Preisträgerin 2012


"Brief für Brief erzählt sie der Geliebten ihr Leben, in berührenden Bildern und Bruchstücken und mehr assoziativ als chronologisch. Und was war das für ein Leben! Ihre Vergangenheit auf die Zeit im ›russischen Berlin‹ der 20er Jahre zu reduzieren, wie es der Untertitel der Ausgabe suggeriert, wird dieser Biografie voller Brüche und Neuanfänge nicht gerecht: Vera Lourié hat das ganze 20. Jahrhundert erlebt."
Oliver Pfohlmann, WDR3


"Ihre Briefe schildern Fragmente eines Lebens voller Brüche, sie sind Stimmungsbild, Berliner Stadtgeschichte und Autobiographie in einem."
In Zeitschrift: Sinn und Form


"Gut 140 Druckseiten umfassen ihre Erinnerungen. Doris Liebermann hat sie liebevoll und kenntnisreich eingeleitet und ergänzt und um Stories und Gedichte sowie ein ordnendes Personenregister erweitert."
Pieke Biermann, Deutschlandradio Kultur


"Von den schwersten Dingen erzählt sie in ihren Briefen noch einmal so leicht und mitreißend, dass man gar nicht mehr aufhören kann zu lesen."
Anna Prizkau, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung


"Die Briefe der wiederentdeckten russischen Dichterin Vera Lourié sind ein Dokument des Überlebens und ein Stück Kulturgeschichte."
Fokke Joel, Zeit online


"Die Slawistin Doris Liebermann hat Vera Lourié mit einer vorbildlichen Edition der Erinnerungen, von autobiografischen Texten und Fotos ein würdiges Denkmal gesetzt."
Andreas Breitenstein, Neue Zürcher Zeitung


"Was für eine Stimme ist uns hier lange Zeit vorenthalten worden."
Christine Kappe, fixpoetry (Blog)


"Brief für Brief erzählt sie der Geliebten ihr Leben, in berührenden Bildern und Bruchstücken und mehr assotiativ als chronologisch. Und was war das für ein Leben!"
Oliver Pfohlmann, Landshuter Zeitung



Quelle: www.schoeffling.de

Vera Lourié: Briefe an Dich - Erinnerungen an das russische Berlin Hrsg.
Doris Liebermann.- Schöfflin & CO, 2014. – 280 S. ISBN: 978-3-89561-615-0





Oktober 2014

Florescu, Catalin Dorian

Jacob beschließt zu lieben

Roman

In seinem großen Roman erzählt Catalin Dorian Florescu die abenteuerliche Lebensgeschichte des Jacob Obertin aus dem schwäbischen Dorf Triebswetter im rumänischen Banat. Es ist eine Geschichte von Liebe und Freundschaft, Flucht und Verrat und darüber, wie die Fähigkeit eines Menschen zu lieben ihn über alles hinwegretten kann. Jacobs Geschichte - zeitlich zwischen dem Ende der 20er- und Anfang der 50er-Jahre angesiedelt - weitet sich zu einem Familienepos, in dem temporeich und in dichten, fantastischen Bildern das Schicksal der Obertins über 300 Jahre hinweg erzählt wird, beginnend mit dem 30jährigen Krieg in Lothringen.

Ende des 18. Jahrhunderts hatten sich Jacobs Vorfahren, wie viele Tausende Anderer aus Lothringen ein besseres Leben suchend, auf den gefährlichen Weg ins Banat gemacht, um ihr Glück zu finden und eigenes Land zu besitzen. Jacob wird mit dem Kampf um Macht und Besitz konfrontiert, wird vom eigenen Vater verraten und verliert seine erste Liebe. Doch immer wieder gibt es Menschen, die ihm helfen, die Wechselfälle der Geschichte - Diktaturen und Deportationen - mit ihren grotesken und katastrophalen Folgen zu überleben und einen neuen Aufbruch zu wagen.

In diesem zärtlichen und spannenden Buch bekommen wir auch ein atemberaubendes Konzentrat europäischer Geschichte geboten. Das Bild einer Welt, die nicht zur Ruhe gekommen ist.

(Klappentext)


Pressestimmen

"Catalin Dorian Florescu katapultiert sich mit seinem neuen Roman in die vorderste Reihe unserer Literatur. … Kaum einer erzählt mit so viel Kraft, Sinnlichkeit, Wärme, mit einem so großen, Jahrhunderte umfassenden Atem, so ruhig und furchtlos, vor Brutalität und Grausamkeit so wenig zurückschreckend wie vor leiser Zärtlichkeit und Wehmut. Was für ein Erzähler! … Florescu beachtet jedes Detail, jede Nuance und lässt sein ländliches Sittenbild lebendig werden wie ein Bild von Breughel, mit allen Schrecken und Schönheiten. … Er hat einen großartigen Roman über ein brutales Jahrhundert und ein hoffnungsloses Leben geschrieben, der dennoch nie in die Hoffnungslosigkeit absinkt. Es ist ein wirkliches Buch der Liebe geworden. Alle Achtung!"
Elke Heidenreich FAZ


"Es gibt Romane, die beginnt man wegen ihres ersten Satzes zu lesen. Catalin Dorian Florescu legt einen Roman vor, dessen Handlung sich zwischen einem wunderbaren ersten und einem wunderbaren letzten Satz bewegt.
Florescu gehört zweifellos zu den größten Geschichtenerzählern seiner Generation. Mit Haut und Haaren begibt er sich in die raue und archaische Welt der Bauern, die immer wieder auf der Suche nach eigenem Grund und Boden sind, für die scheinbar nichts weiter zählt als das. Florescu schafft sonderbare Protagonisten und wunderbare Heldinnen vor einem brutalen geschichtlichen Hintergrund der Denunziation und fortwährenden Vertreibung.Seine Sprache ist genau, schnörkellos, er verstrickt sich nie in moralisierende Behauptungen. Der Autor traut seinen Figuren, lässt sie ihr Eigenleben führen. Das verleiht dem Text Authentizität und Spannung. Dieser Roman ist nach dem 2008 erschienenen und viel beachteten Roman „Zaira“ zweifellos Florescus größtes Meisterstück, denn es verbindet Geschichtsbewusstsein mit Fabulierlust. Hier sieht ein junger Schriftsteller gänzlich von sich ab. Er bringt die Geduld und den Mut auf, die abenteuerlichen Lebensumstände seiner Vorfahren zu erkunden."
Sächsische Zeitung


"Meisterhaft … Dieser historische Stoff ist ganz von heute. So archaisch das Geschehen anmuten mag, es erzählt uns etwas über unsere Moderne als Resultat von Geschichte. … So schaudert uns Lesern vor diesen Gestalten, dann wieder rühren sie uns in ihrem Unglück. Diese Widersprüchlichkeit ist eine der Stärken des Buches.
Die großartigste Figur indes gelingt Florescu mit Ramina, einer Zigeunerin. Die hat fast mythische Züge. Ist berechnend, rätselhaft, weise und mütterlich. Nicht zu vergessen: eine große Geschichtenerzählerin. … Es ist das Wunder des Erzählens, das wir in diesem Buch erleben: Ein paar knappe Sätze - und schon stehen die Figuren vor uns: lebendige, unvergessliche Gestalten, Protagonisten eines fesselnden, unglaublich bewegenden Buches. Die dichte Sprache dieses Romans fügt sich zum unsentimentalen Grundton, jener Unerbittlichkeit, die im Leben dieser Figuren waltet."
Dresdener Neuste Nachrichten


"Mit diesem Buch, dessen Autor 1967 im rumänischen Timisoara geboren worden ist und heute als Schriftsteller und Psychologe in Zürich lebt, liegt ein wahres Epos vor. … So verschränkt der Roman individuelle Schicksale zwanglos mit historischen Ereignissen und mit der Geschichte der Eroberungen, Diktaturen und politischen Umwälzungen. … Für die Lesenden liegt einer der Reize gerade im Wechsel des Blickfelds. … Er ist der geborene Erzähler, dieser Catalin Dorian Florescu. Was Florescu in seinem Buch mit narrativem Furor vorführt, ist eine Geschichte von Gewalt und Verrat, von Armut und Verdüsterung, von Hunger und Durst."
Neue Zürcher Zeitung, Berliner Zeitung


"Ein Familienepos, in dem präzise und lakonisch, rasant und doch stets detailgetreu das Los lothringischer Einwanderer ins Banat erzählt wird... Florescu kennt die Abgründe, die im Menschen lauern, dem zwiespältigen Wesen aus Angst und Gier. Er zeichnet das Sittenbild einer archaischen Welt mit allen Schrecken und Schönheiten, Grausamkeiten und Zärtlichkeiten, eine Welt, in der den Bauern die Erde, der Acker, der Besitz alles bedeutet. Um ihn zu erhalten, sind sie imstande, alles zu opfern."
Spiegel


"Catalin Dorian Florescu ist ein großer Erzähler und wie bei allen großen Erzählern ist sein erster Satz wie ein Sog, der den Leser hineinzieht in die abenteuerliche Lebensgeschichte des Jacob Obertin aus dem schwäbischen Dorf Triebswetter im rumänischen Banat. „In jedem Sturm steckt ein Teufel“, so beginnt der gebürtige Rumäne, der in Zürich lebt, seinen fulminanten Roman."
Tiroler Tageszeitung


"Über Jahrhunderte hinweg, angefangen im Dreißigjährigen Krieg bis in das kommunistische Rumänien der 50er Jahre hinein, werden in diesem Roman menschliche Konstanten freigelegt: das Bedürfnis nach Heimat ist eine davon; das Bedürfnis nach Wohlstand eine andere; dass beide nicht immer miteinander vereinbar sind, ist eine der grundlegenden Erkenntnisse des Romans, dessen Personal sich in einer permanenten Migrationsbewegung befindet.(...) Jacob, geboren 1926, ist der Erzähler des Romans, dessen Gegenwart immer wieder durchbrochen wird von Rückblenden, in denen die Abenteuer der Obertin-Vorfahren erzählt werden. Jede dieser Zeitebenen hat ihre Berechtigung; jede davon steht in Zusammenhang mit der Jetztzeit. Florescus Sprache ist muskulös, zupackend, hin und wieder geradezu archaisch, sie taucht die Ereignisse, je weiter sie zurückliegen, kalkuliert in das Licht des Märchenhaften. Florescu ist ein großer Geschichtenerfinder (…)"
Die Tageszeitung, TAZ


"Es ist immer wieder verlockend, die abenteuerlichen, spannungsreichen, unglaublichen und doch vom ersten bis zum letzten Satz fesselnden Geschichten von Catalin Dorian Florescu einfach nachzuerzählen (…) Eines verbindet all diese Geschichten: der Hunger, "dieser lothringische, schwäbische, rumänische Hunger". Ein Hunger, den Brot allein allerdings nicht stillen kann. Es ist nämlich auch ein Hunger nach Zugehörigkeit, nach Freundschaft, nach Liebe, nach Geborgenheit in einer Welt, in der hauptsächlich Begriffe wie Verrat, Flucht, Deportation und Diktatur großgeschrieben werden.
Wenn Florescu erzählt, werden solche Begriffe sinnlich fassbar, und es kommen darüber hinaus Haltungen zur Sprache, die geeignet erscheinen, Unzulänglichkeiten, Fährnisse, auch kaum erträgliche Situationen und Prozesse zu überstehen, es kommen nicht zuletzt auch Humor, Witz und Ironie zur Geltung. Selbst in Jacobs, selbst in dieser tieftraurigen Familiengeschichte aus einem der letzten Randbezirke des wilden Ostens blitzen immer wieder Lichter auf, die Auswege aus der allerorten herrschenden Finsternis weisen.
Diese Lichter beleuchten Figuren, die sich ihren Durst nach Autonomie nicht nehmen lassen, von niemandem auf der Welt. Sie beleuchten Figuren, die unter den schwierigsten Bedingungen Solidarität üben und hilfsbereit bleiben wie eh und je. Und sie beleuchten vor allem einen atemberaubenden Lebenslauf, in dem sich die wechselvolle, namentlich die grausame Geschichte des 20. Jahrhunderts spiegelt: das Leben Jacobs, das Leben eines Menschen, der trotz unzähliger Rückschläge eines Tages beschließt zu lieben."
Die Presse, Wien



Florescu, Catalin Dorian: Jacob beschließt zu lieben, Roman,
München: Beck, 2012. 404 S.- ISBN 978-3-406-61267-





September 2014

Appelfeld, Aharon

Der Mann, der nicht aufhörte zu schlafen

Roman

Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler

Erwin schläft und schläft und kann kaum mehr erwachen. Es ist das Jahr 1946, und der jüdische Junge, der mit knapper Not überlebte, treibt ziellos durch Europa, auf Zügen, Pferdekarren, stets vor sich hin dämmernd. Denn der Schlaf hält in Erwin das Verlorene lebendig: die grüne, heimatliche Bukowina, die geliebte Mutter, den Vater, der nebenher Romane schrieb. Nach Station in einem Flüchtlingslager bei Neapel und einer abenteuerlichen Schiffspassage findet Erwin sich in Palästina wieder. Der Kibbuz soll den Siebzehnjährigen zum zukunftsfrohen «neuen Juden» erziehen – aber die Fremdheit schmerzt ihn nur umso mehr. Da wird Erwin schwer verletzt. Im Hospital obsiegt wieder der Schlaf – vorerst. Denn genesend liest Erwin die Bibel und lernt, mit den Worten ringend, Hebräisch. Die heilige Sprache seiner Väter zeigt ihm endlich einen Weg, das in Schlaf, Traum und Erinne¬rung Bewahrte zu retten: Unter neuem Namen beginnt Aharon zu schreiben, und erzählend lässt er die entschwundene Welt in der neuen, uralten Sprache wiedererstehen...
Mit zärtlicher Kraft schildert Aharon Appelfelds autobiographischer Roman ein Erwachen im neuen Leben, inmitten der Wirren von Flucht und Emigration. Nach «Geschichte eines Lebens» das wohl persönlichste Buch des großen Erzählers.

Pressestimmen

"Eine ergreifende Lektüre, die einen zwingt, die Welt mit anderen Augen zu sehen."

Le Monde


"Aharon Appeldelf ist ein wichtiger Zeuge des vergangenen Jahrhunderts. Er lebt in Israel, zählt jedoch zu den großen jüdischen Erzählern Osteuropas."
Imre Kertész


"Ein großartiger Roman – die Variation seiner eigenen Lebensgeschichte, der Geschichte eines ganzen Volkes."
Le Temps


"Ihm gelingt es, für den Moment des Kunstwerks das Versprengte zu versammeln, das Zusammenleben der Lebenden und der Toten zu feiern und so gegen den drohenden Zerfall die Idee der Menschheit wachzuhalten."
Marie Luise Knott, FAZ


"Der Mann, der nicht aufhörte zu schlafen ist vieles in einem: die berührende Geschichte einer Flucht; ein Blick auf die Demarkationslinien im israelischen Unabhängigkeitskrieg; die Konflikte zwischen altem Judentum und neuem Judentum, alter Sprache und neuer Sprache. Und nicht zuletzt erzählt Appelfelds Roman von der Geburt eines Schriftstellers, umgeben von Schönsten und Tragendsten zweier Sprachen."
BOOKMARKS 3



Appelfeld, Aharon: Der Mann, der nicht aufhörte zu schlafen
Berlin, Rowohlt, 2012. – 288 S. ISBN: 978-3-87134-732-0





August 2014


Joanna Bator

Wolkenfern

Roman
Aus dem Polnischen von Esther Kinsky

Nach einem Verkehrsunfall erwacht Dominika aus dem Koma, umsorgt von ihrer Mutter und Grazynka Rozpuch, einer alten Familienfreundin, die ihr den Platz in der Spezialklinik bei München verschafft hat. Statt nach Polen zurückzukehren, bricht Dominika, von Fernweh getrieben, ins Ungewisse auf, lebt als Fotografin unter Emigranten in New York und London, bis sie eines Tages den Ort findet, an dem sie bleiben will.

Hineingewoben in diese weibliche Odyssee ist die Geschichte Grazynkas, die vor dem Krieg als Findelkind von einem Frauenpaar, den »Teetanten«, aufgezogen wird. Als die SS im Städtchen die polnische Bevölkerung deportiert, gelingt es den Teetanten, das Kind in die Obhut einer Nonne zu geben. Aus dem KZ zurückgekehrt, sehen sie, wie ihre Nachbarn sich um die Besitztümer der verschwundenen jüdischen Familien streiten. Und von Grazynka keine Spur...

Zeiten und Erzählebenen kunstvoll verknüpfend, rollt Joanna Bator ein großes Panorama aus, das sich über Kontinente und ein ganzes Jahrhundert erstreckt. Wolkenfern ist ein Roman über Fremdheit und Heimatsuche. Vor allem aber handelt er von den vielgestaltigen Beziehungen zwischen Frauen - atemberaubend kühn, in einer sinnlichen, mitreißenden Sprache. Wolkenfern ist ein literarisches Schwergewicht, ein Buch, das auch emotional tief berührt.

(Klappentext)


Pressestimmen

"Joanna Bator reiht sich in die beste Tradition der polnischen Erzählkunst des 19. Jahrhunderts ein..."
Ulrich M. Schmid, Neue Zürcher Zeitung


"... stilsicher und mit exzellentem Sprachgefühl geschrieben ..."
Marta Kijowska ,FAZ


"Joanna Bator schrammt knapp am Kitsch entlang. Egal. Entscheidend im Roman Wolkenfern ist ihre überbordende Erzählfreude."
Sabine Seifert, taz. die tageszeitung


"Für Goethe atmete Weltliteratur einen transnationalen Geist der Toleranz und Offenheit. Es scheint, als habe die die große, polnische Autorin Joanna Bator Goethes Ideen tief verinnerlicht. Ihr neuer Roman Wolkenfern jedenfalls hätte kosmopolitischer nicht ausfallen können."
Tobias Schwartz, Der Tagesspiegel


"Die Geschichte des Romans ist so fein verästelt wie die Ausläufer eines Flusses. Man muss eine Lust am Streunen und Sich-davon-treiben-Lassen mitbringen, um Bators Roman zu mögen. Dann aber wird man ihn lieben ... Manchmal glaubt man, Bator greife auf eine andere als die gewöhnliche Sprache zurück, weil sie diese zu so kunstvollen, kraftvollen Sätzen zusammensetzt."
Maren Keller, SPIEGEL ONLINE


"In Wolkenfern treibt Bator ihre tollkühne, von Esther Kinsky atemberaubend gut übersetzte Prosa in neue Erzählraffinessen, dreht das Verschachteln und miteinander Verknüpfen in schwindelnde Höhen, lässt immer neue Personen auf und zwischen den Generationslinien weiblicher Netzwerke abtauchen."
Verena Auffermann, Emma


"Vermutlich ist Bators Doppelroman (Sandberg, Roman ) das wichtigste polnische Erzählwerk des jungen 21. Jahrhunderts."
Mathias Schnitzler, Berliner Zeitung


"Joanna Bator hat für diese Welt auch in ihrem neuen Roman Wolkenfern eine märchenhaft leichte Prosa entwickelt, die sich in ihre Figuren liebevollst einfühlt, bis selbst Bösartigkeiten verführerisch funkeln."
Bernd Kempker, wdr3.de


Quelle: www.suhrkamp.de


Bator, Joanna: Wolkenfern Roman, Berlin: Suhrkamp, 2013. - 499 S.
ISBN: 978-3-518-42405-6




Juli 2014


Ulrike Draesner

Sieben Sprünge vom Rand der Welt

Roman

Was es bedeutet, die Heimat zu verlieren ...

Simone Grolmann ist 52, etabliert und angesehen, Professorin für Verhaltensforschung, Mutter einer Tochter, ein analytischer Mensch. Und doch hat sie Angst. Angst vor Schnee. Die Angst ist tief in ihr, versunken wie der Breslauer Wald, durch den ihr Vater, sein behinderter Bruder Emil und Lilly, die Mutter der beiden, in der Nacht vom 19. auf den 20. Januar 1945 stapften, bei minus 21 Grad: drei Menschen mit drei durchweichten Pappkoffern. 17 Jahre vor Simones Geburt war das, und doch ist es ihre eigene Angst.

Simone liebt ihren Vater Eustachius - und kommt ihm gleichwohl nicht nah. Eustachius Grolmann, 83, ist ein Kriegskind. Aufgewachsen im Propagandastaat, 1945 aus Schlesien in den Westen geflohen. Noch immer wird er von den Erinnerungen an die Flucht und den Tod seines Bruders heimgesucht. „Sei froh, dass du lebst.“ Diesen Nachkriegssatz hat er sich selbst so oft vorgesagt, bis er glaubte, das, was er spürte, könnte nun endlich dieses Frohsein sein.

Ulrike Draesner kreuzt die Lebenswege der schlesischen Grolmanns mit dem Schicksal einer aus Ostpolen nach Wrocław vertriebenen Familie. Vier Generationen kommen zu Wort. Virtuos entwirft sie ein Kaleidoskop der Erinnerungen, die sich zu immer neuen Bildern fügen. Sie zeigen, wie die durch Flucht und Vertreibung ausgelösten Traumata weiterwirken und wie sich seelische Landschaften von einer Generation in die nächste weitervererben. Die Geschichten der Grolmanns und der Nienaltowskis werden zum Spiegel von hundert Jahren mitteleuropäischer Geschichte. Sie erzählen von den Mühen und Seligkeiten zwischen Eltern und Kindern, von Luftwurzeln, Freiheit und Migration.

Quelle: http://www.der-siebte-sprung.de/


Pressestimmen

"Sieben Sprünge vom Rand der Welt ist eines der großen Bücher des Frühjahrs. Dass biografische Einflüsse eine Rolle spielen, überrascht nicht, die Familie von Draesners Vaters floh 1945 aus Schlesien. Was die Autorin daraus gemacht hat, ist fulminant. Immer wieder findet sie großartige Bilder und Metaphern, dabei wechselt sie stellenweise ins Lyrische. Häufig gelingt es ihr, ganz tief in ihre Figuren hinein zu kriechen, die sie abwechselnd zu Wort kommen lässt. So bekommen die Kriegsversehrten eine für den Leser fast schmerzhafte Lebendigkeit."
Franziska Wolffheim, spiegel online, kultur


"Sechs unterschiedliche Erzählperspektiven von Vertriebenen hat Ulrike Draesner für ihren Roman gewählt. Entstanden ist ein kleines Meisterwerk. Jede Stimme hat einen eigenen Stil, eine eigene Haltung, einen eigenen Blick auf die Welt. (...) Dieses Buch ist ein großes Geschenk. Es ist reich an Erlebnissen, überreich an sprachlichen Mitteln und eine Goldgrube dramaturgischer Einfälle. Es treibt den Leser in eigene Erfahrungsströme. Manchmal gerät er dabei ins Strudeln und wird in die Tiefe gezogen. Aber am Ende lauert, nach großem Lesevergnügen, Erkenntnisgewinn. Den siebten, letzten Sprung überlässt Ulrike Draesner ihren Lesern."
Joachim Dicks, NDR Kultur


"Ulrike Draesner schreibt mit kühler Präzision, sie wirft uns hinein in die Verletzungen des Krieges, in das Grauen der Flucht, in die verstörenden Feindseligkeiten einer Dorfgemeinschaft der 1950er-Jahre, und sie stellt kluge Fragen. Penibel hat sie für ihren Vielstimmenroman recherchiert. Indem sie den Figuren kapitelweise das Wort erteilt, konturiert sie ihr Personal, stattet es mit je eigenem Tonfall aus.
Kraftvoll in der Beschreibung von Seelenlandschaften, mit feiner Ironie, originell in den Sprachbildern, halten Stimmen- und Zeitenwechsel die Lesespannung bis zum Schluss - trotz mancher Längen. Denn so kunstvoll wie Ulrike Draesner das neue Wissen um den Ursprung von Traumata in deutsche und polnische Geschichten knüpft, wie sie verschiedene Lebenswahrheiten übereinander legt, das ist packend und klug. Und eine neue Seite am Familienroman."
Edelgard Abenstein, Deutschlandradio Kultur



Ulrike Draesner: Sieben Sprünge vom Rand der Welt - Roman Luchterhand 2014
ISBN: 978-3-630-87372-5




Juni 2014


Peter Schneider
Die Lieben meiner Mutter

Jahrzehntelang haben ihre Briefe aus der Kriegs- und Nachkriegszeit ungelesen im Schrank gelegen. Als Peter Schneider sich endlich entschließt, die in Sütterlin geschriebenen Briefe seiner Mutter transkribieren zu lassen, stößt er auf eine unglaubliche Geschichte - eine offene Dreiecksbeziehung. Eine aufwühlende Recherche beginnt.
Peter Schneiders Erinnerungen an die Jahre, die er mit seiner Mutter und seinen Geschwistern nach der Flucht aus Ostpreußen im bayrischen Dorf Grainau unterhalb der Zugspitze verbrachte, sind noch sehr lebendig - aber sie kreisen um jemand anderen. Willy, der sieben Jahre ältere Jugendliche, schlug Peter und seine Schwester in seinen Bann, weil er ihnen etwas Großes versprach: Dank seines guten Drahts zum Erzengel Michael würde er sie das Fliegen lehren.
Während die Geschwister den Erzengel mit Geld und gestohlenen Naturalien aus dem Vorrat der Mutter gnädig zu stimmen versuchten, bewegte sich ihre Mutter in ganz anderen Sphären. In ihren Gedanken und ihren Briefen war sie beim fernen Ehemann, einem Komponisten und Dirigenten - und bei ihrem Geliebten, einem bekannten deutschen Opernregisseur, der in den Nachkriegsjahren mit aufsehenerregenden Inszenierungen Furore machte.
Aus ihren Briefen und seinen Erinnerungen rekonstruiert Peter Schneider seine Kindheit und entwirft das vielschichtige Porträt einer faszinierenden Frau, die ohne Rücksicht auf die Konventionen der Zeit ihren Leidenschaften folgte und viel zu früh starb.

(Klappentext)


Pressestimmen

"So privat, so persönlich diese Geschichte auch ist, so unverkennbar vollzieht sie sich im Schatten des politischen Wahnsystems der NS-Zeit. In dieser Verknüpfung des Einzelfalls mit historischer Zeitgeschichte liegt die Leistung autobiografischer Literatur."
Die Zeit


"Ein faszinierendes Zeugnis einer faszinierenden Frau, eine Ode an die leidenschaftliche Liebe mit "Haut und Haaren", den Mut immer wieder zu eigenen, starken und stärksten Gefühlen und ein Blick auf den Sohn, der dies alles zu verarbeiten hat. Ein bewegendes Buch."
Rezensions-seite


"Ein ausgesprochen lesenswertes Buch."
Focus Online


"Ein sehr liebevolles Buch [...], ein schmerzhaftes Buch auch, eines, das berührt und bewegt."
Bayrischer Rundfunk


"Die Lieben meiner Mutter [ist] dank aufwühlender wie beherzter Recherchearbeit bei diesem brisanten Stoff ein lesenswertes Buch."
leipzig-almanach.de


"Ein wahres Märchen von Liebe und Tod, Leiden und Vergessen, Kindheit und Heimweh. Großes Seelenkino."
FAS


"Ein Buch des Staunens, der Kreuz- und Querbegegnungen."
Die Welt, Literarische Welt


"Eine anrührende und allgemeingültige Erzählung - über das, was eine ganze Generation von Frauen in dieser Zeit durchgemacht hat."
NDR Fernsehen


"Ein ausgesprochen lesenswertes Buch, das nicht nur viel über den Autor erzählt, sondern auch übers Kindsein während des Zweiten Weltkriegs und kurz danach.main-netz.de"
main-netz.de


"Ein kluges, überraschendes Buch."
Der Tagesspiegel


"Peter Schneiders Die Lieben meiner Mutter entfalten eine verstörende Spannung, das Buch erzählt auf ungewöhnliche Weise vom Drama der Liebe, gelebt von einer Frau, die ihr Sohn als "eine sanfte und beschützende, manchmal tieftraurige, dann wieder unbeherrschte Urgewalt" erinnert."
NDR Kultur


"Eine berührende Dreiecksgeschichte, die verwoben ist mit den Gefühlen und Reflexionen des Sohnes."
Brigitte Woman


Quelle: www.kiwi-verlag.de


Schneider, Peter: Die Lieben meiner Mutter, Hamburg: Kiepenheuer & Witsch, 2013,
ISBN 978-3-462-04514-7




Mai 2014


Jiří Kratochvíl

Das Versprechen des Architekten

Roman

Aus dem Tschechischen von Julia Hansen-Löve und Christa Rothmeier

Anfang der Fünfzigerjahre: Eine junge Frau kommt nach dem Verhör durch die Geheimpolizei ums Leben. Sie zu rächen wird für ihren Bruder, den renommierten Architekten, zur bestimmenden Aufgabe, ein Kellergewölbe unter dem Zentrum von Brünn zum bizarren Ort der Vergeltung. Doch der private Rachefeldzug läuft aus dem Ruder und zeitigt absurde Folgen. Mit der Kriminalstory vor politischem Hintergrund, es ist die Zeit der stalinistischen Terrorherrschaft in der Tschechoslowakei, die durchaus Parallelen zu Verbrechen der jüngeren Zeit aufweist, hat Kratochvil ein an Paradoxa reiches, labyrinthisches Gleichnis für eine grausame und abartig-absurde Zeit geschaffen. Ein autobiografisch inspiriertes und inszeniertes Spiel um die Themen Schuld und Strafe, Fiktion und Wirklichkeit mit Anregungen von Dürrenmatt und Nabokov, Schnitzler und Le Corbusier.

(Klappentext)


Pressestimmen

"Die erzählerische Meisterschaft von Jiří Kratochvíl erweist sich im atemberaubenden Vermögen, die Absurditäten eines diktatorischen Systems atmosphärisch dicht darzustellen. Es ist, als liefere Kratochvíl mit diesem Roman den Beleg, dass die literarischen Mittel der Postmoderne dazu die einzig angemessenen sind."
Volker Strebel Die Berliner Literaturkritik


"Eine grandiose Parabel über individuelle Schuld im Totalitarismus."
Joseph Gepp, Falter


"Ein Werk, das zweifellos in die Weltliteratur eingereiht werden kann."
Katja Gasser, Zeit im Bild 2


"Famose, an Jorge Luis Borges geschulte Erzählkunst ... mustergültig übersetzt ... hebt die Gesetze der Kausalität ebenso verschmitzt wie brutal aus den Angeln."
Ronald Pohl im Standard


"Ein ganz wundersames Buch, das drei funkelnde Literaturstränge vereint: den Surrealismus, die tschechische utopische groteske Fantastik und die Kriminalliteratur ... komisch, überraschend und architekturkritisch."
Tobias Gohlis, Die Zeit


"Erstaunlich mit welcher "Leichtigkeit" Jiri Kratochvil, der jahrzehntelang Publikationsverbot in der Tschecheslowakei hatte, über diese dunkle Zeit schreibt."
Sylvia Staude, Frankfurter Rundschau


"Wundersam-groteskes, surrealistisches Geschichtsstück. Zauberhaft, bös, verspielt."
Die Welt / Die Welt Online


"Ein Meisterwerk der Zeitgeschichte, eine bissige, groteske Aufarbeitung der Historie der stalinistischen CSSR."
Sylvia Treudl, Buchkultur


"Buch des Monats - dringend zur Lektüre empfohlen!"
Anton Thuswaldner, Salzburger Nachrichten


"Bravourös erzählt ... Kratochvil versteht es meisterhaft, die dunkelste Phase der kommunistischen Herrschaft heraufzubeschwören."
Jirí Penás, Literaturkritiker


"Dürrenmatt auf Tschechisch - meisterhaft konstruiert, witzig erzählt."
Ulrich M. Schmid, NZZ


"Zeiten- und Perspektivwechsel werden mit einer Leichtigkeit inszeniert, wie sie selten ist, immer noch, obwohl die Schreibtechniken, mit denen so etwas geht, mittlerweile bekannt genug sind. Vor allem deutsche Autoren können sich hier ein paar Scheibchen abschneiden, immer noch, im Krimigenre sowieso."
Walter Delabar literaturkritik.de


Quelle: www.braumueller.at


Jiří Kratochvíl: Das Versprechen des Architekten. Roman Aus dem Tschechischen von Julia Hansen-Löve und Christa Rothmeier. Wien: Braumüller, 2010.
ISBN 978-3-99200-005-0




April 2014


Barbara Coudenhove-Kalergi
Zuhause ist überall

Erinnerungen

Taschenmesser und Wolldecke - das sind die einzigen Habseligkeiten, die der 13-jährigen Barbara bei Kriegsende nach ihrer Vertreibung aus Prag in den Westen bleiben. In ihrer bewegenden Autobiographie erzählt die Publizistin und Mitbegründerin der legendären Osteuropa-Redaktion des ORF, Barbara Coudenhove-Kalergi, von der untergegangenen Welt der böhmischen Aristokratie, von ihren Anfängen als Reporterin in Wien während des Kalten Krieges, vom Wiedersehen mit ihrer Heimat Böhmen. Und wir erfahren von ihrer Ehe mit dem Reformkommunisten und Vertrauten Rudi Dutschkes, Franz Marek.
Mit Zuhause ist überall hat Barbara Coudenhove-Kalergi ein warmherziges Porträt ihrer weitverzweigten Familie beschrieben, gleichzeitig bieten die Erinnerungen der Grande Dame des Journalismus in Österreich ein einzigartiges Dokument über die Irrungen und Wirrungen Mitteleuropas im 20. Jahrhundert.

(Klappentext)


Pressestimmen

"Barbara Coudenhove-Kalergi ist die Quadratur des Kreises gelungen: Memoiren, die nicht eitel sind."
Franz Schuh, WDR5


"Ihre Erinnerungen zeichnen ein lebendiges Panorama der jüngeren österreichischen und mitteleuropäischen Geschichte. Sie fesseln den Leser mit dem Reichtum des Erzählten und bestechen vor allem durch die Eleganz der Sprache und des Geistes. Ein wunderbares Buch."
Georg Hoffmann-Ostenhof, profil


"Auch für jene ein lesenswertes Buch, die sich nicht mehr an die Journalistin erinnern."
Christoph Bartmann, Süddeutsche Zeitung


"Ein anschaulich geschriebener und warmherziger Erinnerungsband und gleichzeitig ein Stück Zeitgeschichte."
dpa


"Lesenswerte Erinnerungen der Grande Dame des österreichischen Journalismus, die stets die Balance zwischen ihrem eigenen Schicksal und dem relativierenden Blick auf die Historie halten."
Dirk Schümer, Frankfurter Allgemeine Zeitung


"Von Barbara Coudenhove-Kalergi privat erfährt man nicht viel, aber das ist ja kein Buch für die Leser der Regenbogenpresse. Als Lebensgeschichte ist das Werk signifikant. Die Autorin zieht auch die Lehren für uns, wenn sie von der schlechten Stimmung spricht, die Einwanderern heute entgegenschlägt: Daran zurückdenkend, wie man sie als Flüchtlinge in Österreich aufgenommen hat, fragt sie sich, 'Was wäre aus uns Kindern geworden, wenn man uns so behandelt hätte, wie wir jetzt die Neuankömmlinge behandeln?'"
Renate Wagner, Online Merker, Wien


"Immer eine geglückte Mischung aus objektiver Berichterstattung und persönlichen Eindrücken, Kennzeichnend ist bei ihr menschliches Verständnis, aber durchaus mit festem, eigenen Standpunkt. Sie ist in der Lage, glaubhaft und mit überzeugender Sympathie das Leben sowohl von Ordensschwestern als auch kommunistischen Widerstandskämpfern frei von irgendwelchen ideologischen vorurteilen oder Scheuklappen zu erzählen."
Alfred Ohswald, Buchkritik.at


"Wer oder was hat Sie animiert, Ihre Erinnerungen aufzuschreiben? Ich wollte das eigentlich nicht, aber es hat sich dann fast von selbst geschrieben. Mitten im Leben erscheint es wie ein großes Durcheinander. Im Rückblick ergibt sich dann doch so etwas wie ein roter Faden oder Narrativ. Man lernt sein eigenes Leben erst richtig kennen."
Anna-Maria Wallner, Die Presse.com


Quelle: www.hanser-literaturverlage.de


Barbara Coudenhove-Kalerg: Zuhause ist überall, Erinnerungen
Zsolnay, 2013. - ISBN 978-3-552-05601-5




März 2014


Irena Brežná
Die undankbare Fremde

Roman

»Meine Mutter ist stark wie eine Kakerlake«, sagte der Junge. »Eine Kakerlake zu Hause und eine in der Fremde ist nicht dasselbe«, meinte die Psychologin.

»Wir ließen unser Land im vertrauten Dunkel zurück und näherten uns der leuchtenden Fremde.« Im Jahr 1968 beginnt Irena Brežnás Roman, der auf engstem Raum Verletzung und Aufbegehren, Spott und Hohn, schwarzen Humor, Poesie, Menschlichkeit und Versöhnung vereint.

Die Erzählerin verschlägt es in die Schweiz, einen sicheren Hafen von bizarrer Saturiertheit, ein von Zäunen verstelltes Paradies voller Ordnungshüter und Kehrmaschinen - zu viel Widerspruch für ein Mädchen wie sie. Schon bei der Einreise wird ihr Name vom Grenzer verstümmelt. Ab dann muss sie gezwungenermaßen unter falscher Flagge segeln und vermisst im kalten, gleißenden Licht der Fremde die unfreie, schmuddelige Geborgenheit der Heimat. Als Heranwachsende rebelliert sie gegen das Gastland, das sie unter seine Regeln zwingt und sie nicht sie selbst sein lässt. Nach vielen Zusammenstößen findet sie einen Ausweg ...

Wie Mini-Romane, Kondensate paradoxen Lebens, sind Szenen durch das gesamte Buch gestreut, in denen die Erzählerin als Dolmetscherin zwischen Emigranten und Behörden fungiert. Sie trifft auf eine Phalanx von Gestrandeten, die hoffen, etwas aus ihrem Leben machen zu können: Kleine Diebe, Depressive, Schlawiner, Kriegsflüchtlinge, Ausgebeutete, Überangepasste und Naive.

So ungeschützt und schonungslos gegen sich und andere hat noch keiner über die Emigration geschrieben - ein kleiner Roman mit großer Sprengkraft, ein Lebensbuch.

(Klappentext)


Pressestimmen

"Für dieses Buch besteht eine absolute Leseempfehlung! Nicht weil die Schweiz ein Land wäre, das man mehr als andere kritisieren müsste, auch wenn das Buch dort einigen Staub aufgewirbelt hat und die Autorin tatsächlich, wie im Buchttitel vorhergesehen, als undankbare Fremde empfunden wurde. (...) Es geht vielmehr darum, dass wir alle aus diesem Buch Gewinn ziehen können."
Daniela Weiland, Bayerisches Fernsehen, LeseZeichen


"Sie brauchte Jahrzehnte, um dieses Buch schreiben zu können. Jetzt ist es da. Und es wird die Migrationsdebatte in der Schweiz verändern. (...) Es ist die brillant geschriebene Geschichte einer Identitätsfindung zwischen Anpassung und Widerstand. So schonungslos, wütend und erkenntnisreich hat noch nie eine hiesige Migrantin über ihr Dasein in der Fremde geschrieben."
Peer Teuwsen, DIE ZEIT, Schweiz


"In messerscharfer Beobachtung, provokanter Offenheit und lustvoller Übertreibung hält die freche Göre dem sogenannten Gastland - es könnte ebenso gut Österreich oder Deutschland sein - als schein-idyllischer Insel den Spiegel vor, der in sprachvirtuosen Rundumschlägen zum Zerrspiegel wird. Und das tut manchmal weh. Brežná hat sich mit ihrem pointierten Buch über Ankommen, Anpassung und Widerrede einen Platz in der interkulturellen Literatur erschrieben."
Wiener Zeitung


"Vierzig Jahre Erfahrungen als weltoffene Reporterin und Schriftstellerin vermitteln der literarischen Aufarbeitung ein starkes Profil. Das Buch lebt von der sprachlichen Genauigkeit und dem klaren Blick. Die Frauen der Migration haben die Schweizer Literatur bereichert, vielleicht sogar erneuert. Neben Ilma Rakus und Melinda Nadj Abonji schreibt auch Irena Brežná in der höchsten Liga."
FAZ


"In diesem Buch können wir natürlich vieles von unseren westlichen Neurosen wiedererkennen - was sie hier zeigt, ist das es keine EU genormten Mentalitäten gibt, sie zeigt wie Mentalitäten in Europa aufeinander stoßen, wie schmerzhaft das ist und das Anpassung nicht nur etwas ist, was die leisten müssen, die in das Land kommen, sondern etwas ist, was natürlich auch die Gastgeber leisten müssen, das dieser Anpassungsdruck [...] nicht alles sein kann, das kann man in diesem Buch sehr schön lernen. [...] Es ist ein sehr mutiges Buch."
Iris Radisch, Literaturclub


"Die undankbare Fremde liest sich amüsant, temperamentvoll und wunderbar ungerecht."
Die Zeit, Deutschland


"Irena Brežná trifft zweifellos einen menschlich-selbstverständlichen, politisch aber umso brisanteren Punkt in der aktuellen Integrationsdebatte."
NZZ


"'Aber ich bleibe eine Nomadin', lächelt Irena Brežná, die ihrer Fremd-Heimat Schweiz mit ihrem Buch nun das Dokument einer Auseinandersetzung geschenkt hat, wie sie sich leidenschaftlicher nicht denken lässt.«"
Aargauer Zeitung


"In den Jahren, als Irena Brežná in die Schweiz kam, galt der Slogan Das Private ist politisch. Man könnte ihn noch weiterführen: das Politische ist persönlich. Dieses Buch ist beides. Und dafür muss man der Autorin, die ihre Fremdheit souverän bis heute hochhält, dankbar sein."
Basler Zeitung


"Die undankbare Fremde ist ein Roman. Das gilt es zu betonen. Breznás Buch arbeitet pointiert eine kritische Sicht heraus. Es taugt somit nicht zum Skandal. Auch die Erzählerin neigt am Ende zur Versöhnlichkeit mit der neuen Heimat. Nur eines will sie sich auch dann nicht nehmen lassen: das Recht auf Fremdheit. Dieses Recht ist unabdingbarer Teil einer besseren Welt."
Schweizerische Depeschen Agentur


"Der Roman ist eine ebenso witzige wie sprachlich brillante 'Nestbeschmutzung', der in der Schweiz für einige Aufregung gesorgt hat."
ORF, Wolfgang Beyer


"Die undankbare Fremde ist ein bewegendes Buch, das überzeugt."
Die Presse


"Den glänzend geschriebenen, oft sehr komischen autobiografischen Text unterbricht die Autorin Irena Brežná gelegentlich: mit Erlebnissen, die sie als Übersetzerin von Asylsuchenden in der Schweiz und den zuständigen Behörden hat. Diese beiden Textstränge ergänzen sich zu einem eindrucksvollen Bild der Schweiz und der Immigration in dieses reiche Land."
20 Minuten


"Die Schärfe der erinnerten Beobachtung führt immer wieder zu trefflichen Formulierungen. Mit ihren pointierten Sätzen und ihrer auftrumpfenden Haltung hat Irena Brežná einen eigenen Platz in der mittlerweile dicht besetzten «Ankunft in der Schweiz»-Literatur gefunden."
Tages-Anzeiger und Der Bund


"Die bissigste der widerspenstigen Schweizer Integrationsgeschichten."
Berliner Zeitung


"In ebenso subtil wie provokant gestalteten Episoden schildert Die undankbare Fremde , wie aus der trotzigen jungen Emigrantin, die dem neuen Land nichts weiter abgewinnen kann als verzweifelte Sehnsucht nach der verlorenen Geborgenheit, eine selbstbewusste 'Emigrazia' wird, die sich die Fremdsprache zu eigen macht, um heimisch zu werden in Zwischenräumen."
Saarbrücker Zeitung


"Irena Breznas radikaler Einwanderungsroman 'Die undankbare Fremde' geht mit der Schweiz hart ins Gericht. Schonungslos berichtet sie von den Tücken der Migration."
Hannoversche Allgemeine


"Die undankbare Fremde hat eher essayistischen Charakter. Ironisch hält sie darin den freundlichen, ordentlichen, bescheidenen und demokratischen EidgenossInnen den Spiegel vor, der nicht immer ein schmeichelhaftes Bild zurückwirft."
Wochenzeitung


"Als interkulturelle Vermittlerin trägt sie mit ihrem Roman außergewöhnliche und bedenkenswerte Aspekte zur Diskussion ums Thema Migration bei, weshalb ihrem Buch eine große Verbreitung zu wünschen ist."
Flensburger Tageblatt


"Die undakbare Fremde ist der brisanteste Roman über die Schweiz dieses Frühjahrs. Noch nie wurden mit solcher Schärfe schweizerische Eigenheiten und Umgangsformen auf den Punkt gebracht."
Solothurner Literaturtage


"Dieses Buch ist eine ernsthafte und zauberhafte Auseinandersetzung mit der Frage nach Anpassung und Widerstand, Herkunft und Zukunft."
Aviva Berlin


"Offen - für manche vielleicht zu offen - rechnet die seit 1968 in der Schweiz lebende Slowakin mit der Schweizer Angst vor dem Fremden ab."
Freiburger Nachrichten


"Dieses weniger als Roman denn als prägnanter, nuancierter Essay zum Thema Migration zu verstehende Buch ist eine kongeniale Lektion nicht nur für Migranten - für sie ganz besonders -, aber auch für jeden anderen, im dauernden Spannungsfeld zwischen Individualität und gesellschaftlicher Zugehörigkeit lebenden Staatsbürger."
SWR2


Quelle: www.galiani.de


Irena Brežná : Die undankbare Fremde Roman. - Berlin: Galiani, 2012, 140 S.
ISBN 978-3-86971-052-5




Februar 2014


Imre Kertész
Letzte Einkehr

Tagebücher 2001-2009

Im Gegensatz zu seinem berühmten «Galeerentagebuch», das eine Komposition aus den jahrzehntelangen Aufzeichnungen während der inneren Emigration im sozialistischen Ungarn darstellt, handelt es sich bei den hier vorgelegten späten Tagebüchern von Imre Kertész um ein unbearbeitetes, ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit gedachtes «journal intime» von überraschender, oft verstörender Offenheit. Es umfasst die Jahre seiner äußeren Emigration - die Loslösung von Ungarn, dessen postsozialistische Entwicklung ihn immer stärker an präfaschistische Zeiten erinnert, und die Niederlassung in der Wahlheimat Berlin, wo ihn 2002 die «Glückskatastrophe» des Nobelpreises ereilt.
Das damit verbundene «rare Geschenk guten Lebens» weiß er nach Jahrzehnten äußerster Einschränkung zwar durchaus zu genießen - exklusive Restaurants in Berlin, Paris und New York oder die Luxushotels von Gstaad und Madeira -, doch stärker sind die Aufzeichnungen ab jetzt von den Klagen über die «erwürgenden Anforderungen des Ruhms» und die dadurch einsetzende Selbstentfremdung grundiert, über das Nachlassen der Schaffenskraft und den «unerträglichen Terror des Alters». Ein «Trivialitäten-Tagebuch» nennt er sein Diarium schließlich.
Von der gewohnten Schärfe seiner zeitdiagnostischen und ästhetischen Reflexionen, der Prägnanz der Momentaufnahmen haben seine Tagebücher indes nichts verloren. Leitmotiv bleibt das Schreiben, das Ringen um die Gestaltung der in diesen Jahren entstehenden Prosawerke «Liquidation» und «Dossier K.» sowie des geplanten «Sonderberg»-Romans. Schreiben ist für ihn die einzige Legitimation seines Lebens. Als Krankheit und Schmerzen dominieren, macht er sich mit unerhörter Kühnheit zum gnadenlosen Chronisten des eigenen Verfalls «im Vorzimmer des Todes».

(Klappentext)


Pressestimmen

"Das Werk von Imre Kertész ist ein Staudamm, an dem die Nachkriegsliteratur nicht vorbeikommt."
Iris Radisch, Die Zeit


"Einer der ganz Großen in der zeitgenössischen Literatur, dessen Wort etwas gilt."
Tilman Krause, Die Welt


"'Letzte Einkehr' ist das Echolot, das ein großer Schriftsteller in die eigenen Abgründe gerichtet hat, groß in seiner Wahrhaftigkeit, verstörend in seiner Zerrissenheit: „Ob es mir beim Sterben hilft, dass ich nie gelebt habe?“ Letzte Zeilen, von einer Knochenhand „auf das schäumende Wasser“ geschrieben."
Hubert Spiegel,FAZ


"Ein großer Gewinn ist es auf jeden Fall, sich mit diesen Tagebüchern des Menschen und Autors Kertész zu befassen, der uns in seinen Schriften eigentlich nichts anderes sagt und vor Augen führt, als das was die Macht mit einem machen kann – und wie man der Macht ausgeliefert ist, selbst wenn man schwache Versuche macht, sich ihr entgegenzustemmen. Wie die Macht die Vergangenheit eines Menschen vernichtet, aber auch die Zukunft, wie sie den Menschen zum schicksalslosen Wesen macht."
Gudrun Brzoska, ungarische-literatur.de


"Dieses Tagebuch berichtet vom vermeintlich banalen Alltag, in dem sich doch alle Kämpfe und Widersprüche individueller wie auch gesellschaftlicher Existenz scharf und hell widerspiegeln. Imre Kertész auf seinem Weg zu folgen ist ein großes emotionales und intellektuelles Abenteuer."
Claus-Ulrich Bielefeld, kulturradio


"Die schonungslose Radikalität, mit der Kertész auf sich blickt, ist verstörend und beklemmend. Er empfindet seine Aufzeichnungen als eine "Chronik des Verfalls", die ihm Angst einjagt. (...) Die "Letzte Einkehr", Imre Kertész Tagebücher aus den Jahren 2001 bis 2009, ist ein erschütterndes Dokument über die Unbehaustheit eines Menschen, der die – wie der Autor sagt – "Auschwitz-Kultur" in sich trägt. Deshalb tauchen auch immer wieder Gedanken an den Selbstmord auf, an die Unsinnigkeit des Weiterlebens, deshalb durchziehen tiefe Selbstzweifel diese acht Jahre, die immer wieder sarkastisch kommentiert werden. "Im Grunde bin ich ein verhätschelter Luxus-Emigrant", schreibt Kertész gegen Ende seines Tagebuchs, "..."
Lerke von Saalfeld, SWR


"„Nur die kurzen Phasen des Alleinseins haben mir im Leben etwas Freude gebracht, die Arbeit, das Schöpferische. Ansonsten war alles Irrtum, feige Stagnation; ich habe alle betrogen, vor allem mich selbst…“ Kertész zieht eine düstere Bilanz aus seinem Tun – ein Urteil, das ganz und gar unfair ist, möchte man ihm von außen zurufen.
So negativ es klingt, es bleibt ein unübersehbarer Rest. Die Bücher und auch die Tagebücher von Imre Kertész zeugen von der Authentizität ihres Autors. Und hin und wieder offenbaren sie jenen „heiligen“ Moment, der die Lesenden anrührt und fürs Leben verändert. Wer immer sich diesen Büchern ernsthaft hingibt, taucht als ein anderer daraus hervor. Genau das ist Weltliteratur: eine Literatur, in der das Bleibende aufgehoben ist, über den Autor, die Lesenden, die Epoche hinweg."
Beat Matzenauer, literatur.kritik.de



Imre Kertész: Letzte Einkehr - Tagebücher 2001-2009, Hamburg: Rowohlt, 2013.
ISBN 9783498035624




Januar 2014

Gabriela Adameşteanu

Der gleiche Weg an jedem Tag

Roman

Aus dem Rumänischen von Georg Aescht

Rumänien in den fünfziger Jahren: Letiţia Branea wohnt mit ihrer Mutter und dem Onkel zur Untermiete, der Vater sitzt im Gefängnis, ohne dass sie weiß, weswegen. Das Mädchen muss Tag für Tag erleben, wie ihre Familie drangsaliert und ihr Onkel von Denunzianten an seiner Arbeit als Wissenschaftler gehindert wird. Sie sehnt sich danach, der Enge der Provinz zu entkommen, ihre Träume und die ihres Onkels zu verwirklichen. Sie geht nach Bukarest, um zu studieren, doch die Geister der Vergangenheit folgen ihr. Der »Makel« ihrer Familie ist im Mädchenwohnheim und bei der universitären Obrigkeit längst bekannt. Und selbst die Liebe zu dem jungen Dozenten Petru Arcan, der ihr dabei hilft, das Buch ihres Onkels zu veröffentlichen, hat ihre Schattenseiten. Dennoch lässt Letiţia sich nicht entmutigen. Sie geht ihren Weg, an jedem Tag aufs Neue.
Der gleiche Weg an jedem Tag ist eine moderne Emanzipationsgeschichte, der lebhafte innere Monolog einer jungen Frau auf dem Weg zu sich selbst. Gabriela Adameşteanu gewann mit ihrem Aufsehen erregenden Debüt auf Anhieb den Rumänischen Debütpreis sowie den Preis der rumänischen Akademie. 2010 wurde der Roman für den renommierten Jean-Monnet Preis für europäische Literatur nominiert.

Pressestimmen

"Gabriela Adameşteanu erzählt in einem lakonisch scharfen Stil und voller Sinnlichkeit vom Erwachsenwerden einer jungen Frau."

Norman Manea


"Tatsächlich ist der Roman universell in seinen Schilderungen des Erwachsenwerdens, des Sich-Bezweifelns, des Loslösens von der Familie - und auch die ungleichgewichtige Liebesgeschichte darin ist von einer psychologischen Feinheit, die auch ganz jenseits politisch repressiver Systeme trifft."
Carola Ebeling, die tageszeitung


"Gabriela Adameşteanu gelingt in ihrem Buch das eindrucksvolle Porträt einer widersprüchlichen, sensiblen jungen Frau, die sich in vorgespiegelte Gleichgültigkeit rettet und auffallende Distanz zur Welt hält."
Jan Koneffke, Neue Zürcher Zeitung


"Adameşteanu verzichtet auf drastische Schilderungen der Gräuel der Diktatur. Stattdessen erzählt sie in präziser, unaufgeregter Sprache von einer Atmosphäre des Misstrauens, in der jeder jeden bespitzelt."
Die Presse


"Gabriela Adameşteanu erzählt in DER GLEICHE WEG AN JEDEM TAG ohne Schnörkel absolut spannend den Entwicklungsroman eines Mädchens."
Matthias Koeffler, BuchMarkt


"Ein explosives Buch über ein universelles Thema, das Aufwachsen eines jungen Mädchens, mit einem existenziellen Hintergrund: Wie das Politische in das Allerprivateste dringt."
Le Monde


"Ein gefühlvoller, meisterhaft komponierter Adoleszenzroman, der durch eine unglaublich feine Beobachtungsgabe zum Tagebuch einer Epoche wird."
The Guardian


"Gabriela Adameşteanu ist in die literarische Landschaft Rumäniens wie ein Sonnenstrahl eingefallen."
Lettre International


"In den von Gabriela Adameşteanu kunstvoll beschriebenen Turbulenzen des Erwachsenwerdens spiegelt sich wie in einem Kaleidoskop eine von Angst durchdrungene Gesellschaft, die sich am liebsten vor sich selbst verstecken würde."
Joseph Croitoru, Frankfurter Allgemeine Zeitung


"Gabriela Adameşteanus schriftstellerische Laufbahn erstreckt sich vom kommunistischen Regime bis in die Gegenwart, aber ihre Romane tauchen noch tiefer in die Vergangenheit bis zum Beginn der Unabhängigkeit ihres Landes. Ihr Umgang mit Details ist meisterhaft, ihr Stil hoch gelobt."
Times Literary Supplement



Adameşteanu, Gabriela: Der gleiche Weg an jedem Tag. Roman. Aus dem Rumänischen von Georg Aescht.
Frankfurt am Main: Schöffling & Co, 2013. - 435 S. ISBN 9783895612978

Quelle: http://www.schoeffling.de