Dezember 2013

Peter Kurzeck

Vorabend

Roman


Im Jahr 1982 in Frankfurt-Eschersheim ein langes Wochenende im Herbst. Der Erzähler ist mit Frau und Kind bei Freunden zu Besuch. Vielleicht das letzte Wochenende, bevor die Freunde nach Südfrankreich ziehen. Der Erzähler ist müde. Will schlafen. Um ihn her der Nachmittag und die vertrauten Stimmen und dazu die Stimmen in seinem Kopf. Und dann muss er erzählen! Eine lange Reise. Und wir begleiten ihn in das Land seiner Kindheit. Das Oberhessen aus der Zeit nach dem Krieg und bis in die Siebziger Jahre. Gestern noch hier und jetzt ein versunkenes Land.
Man muss die ganze Gegend erzählen, die Zeit! Und dazu die Menschen. Kleinbauern, Handwerker und Gießereiarbeiter. Die Oberdorfwitwen, die alten Leute und ihre Geschichten. Und die Kinder, als wir alle noch Kinder waren. Die alten Kaufläden. Flohmarkt- und Flüchtlingsgeschichten. Wie es bei der Arbeit zugeht.
Lebensläufe, Vergangenheiten, die Zeit. Was die Zeit mit uns macht. Das Fernsehen. Die Liebe. Drei Paargeschichten. Wie man mitten im Pferdefuhrwerk- und Dampflokzeitalter als Sechsjähriger in Lollar am Güterbahnhof bei der amtlichen Waage steht (neben einer großen Pfütze) und weiß vom Hörensagen, die Erde ist eine Kugel. Ein langer Herbstnachmittag und er ist sechs und muss sich alle Stimmen und Farben und jede Einzelheit merken. Hier will er ein Dichter und groß werden! Wenn man auf einem Berg wohnt, führt jeder Heimweg am Ende bergauf.
Die Nachkriegs-, die Not-, die Hunger-, die Hamster-, die Schwarzmarkt- und dann die neue und immer noch eine neuere neue Zeit. Der Fortschritt. Und fängt dann zu fahren an. Baustellen, der Straßenbau, Autobahnen, Schnellstraßen und Autobahnzubringer. Staatssekretäre, Ehrenjungfrauen und das Weltbild der Igel. Eine vergessene alte Landstraße, die leer in der Sonne liegt. Supermärkte, Einkaufsfahrten, Räubergeschichten, ein gelungener Amoklauf und die langen Sommer der späten Sechziger Jahre. Ein ganzes Zeitalter und jeder Augenblick fängt zu reden an.

»Schon mein ganzes Leben lang wollte ich dieses Buch schreiben.«

Peter Kurzeck


Pressestimmen

"Mit seinem neuen Roman »Vorabend« hat sich Peter Kurzeck endgültig einen Platz unter den großen Autoren Deutschlands gesichert. (...)Vorabend ist das Meisterwerk eines begnadeten Erzählers über das unverhinderbare Verstreichen der Zeit und den Versuch, sie anzuhalten. Nach der Lektüre will man Peter Kurzeck auf die Schulter klopfen, ihm danken und sagen, dass das Staufenberg von damals nicht verloren ist. Es ist ganz nah, versteckt zwischen zwei Buchdeckeln."
Fabian Stiepert Leipzig Almanach


"Ihre Bedeutung erlangt diese Chronik nicht allein durch ihren dokumentarischen Wert. Sie erwächst vor allem aus der ganz und gar unverwechselbaren Sprache, die ihr Autor für seine Zwecke geschaffen hat. Meisterhaft überbrückt er in seiner Suada die Kluft zwischen erzählter Zeit und Erzählzeit, baut denkbar einfach wirkende Sätze, die oft abbrechen oder nur aus einzelnen Wörtern bestehen."
Rainer Moritz deutschlandradio kultur.de


"Über das Autobiographische hinaus entsteht eine faszinierende Zeitgeschichte."
Norbert Wehr im WDR


"...vielleicht werden es ja noch mehr, die einen der größten zeitgenössischen deutschen Schriftsteller für sich entdecken."
Bettina Schulte, Badischen Zeitung


"Eine erzählte Welt wie unter Glas ist es, die hier vor uns entworfen wird, und das macht vielleicht den zutiefst elegischen Grundton dieser Hommage an die Provinzwelt der alten Bundesrepublik aus. Nicht: früher war alles besser, aber: früher gab es dies und das und es existiert heute nicht mehr. Man muss das nicht gleich mit der Proustschen „Suche nach der verlorenen Zeit“ vergleichen, wie es Deutschlandradio Kultur tat, aber ein großer Roman ist „Vorabend“ ohne Zweifel."
Stefan Höppner


"(...)Auf diese Weise wird „Vorabend“ so irritierend schön und so verletzend erkenntnisreich zugleich. Hier spricht ein ganzes Zeitalter zu uns. Die Welt beginnt zu sprechen, im Kurzeck-Rhythmus und im unverwechselbaren Kurzeck-Ton. Ein Ton, der inventarisiert und zugleich verzaubert. Kann man sich nicht entziehen. Muss man hineintauchen und kommt nicht mehr heraus. Muss man aufpassen. Versinkt man tief im „Vorabend“, Stunden, Tage, und geht danach durch die Welt und kann nur noch Kurzeck denken. Macht süchtig und glücklich."
Christoph Schröder, Frankfurter Rundschau


"Ich lese im Moment Vorabend von Peter Kurzeck und bin völlig hingerissen. Er führt sozusagen Uwe Johnson in seiner etwas penetranten Mikroskopie und Grass in seiner barocken Erzähllust zusammen in einen ganz neuen Erzählstrom."
Fritz J. Raddatz in einem Interview


"Peter Kurzeck ist alles andere als ein selbstverliebter Schwadroneur. Peter Kurzeck ist einer, dem man gern zuhört und der es keinem verübelt, wenn man mal weghört. Und außerdem: Er hat es einmal fertiggebracht, einen Roman aus dem Stegreif zu erzählen – fünf Stunden lang und nur auf Zuruf von Stichworten! Wer könnte so etwas schon?"
Taz


Kurzeck, Peter: Vorabend Roman, Frankfurt am Main: Stromfeld, 2011.- 1015 S.
ISBN 978-3-86600-079-7




November 2013

Kolja Mensing

Die Legenden der Väter

Eine Suche

Im Mai 1945 rückt der Pole Józef Koźlik mit den britischen Truppen in den Nordwesten Deutschlands vor, wo er Marianne trifft. Beide glauben an die große Liebe, 1946 wird ihr Sohn geboren. Doch das Paar hat kein Glück. Marianne wird als »Polenhure« beschimpft, Józef ist untreu und trinkt. Im Winter 1949 kehrt er zurück in seine Heimat. Erst über zwanzig Jahre später beginnt er seinem Sohn in Deutschland zu schreiben. Noch einmal viele Jahre später stößt Kolja Mensing, Józefs Enkel, auf diese Briefe, die ihm die Geschichte seines Großvaters, den er nie kennen gelernt hatte, nahebringen: Er erfährt von Józefs Kindheit in Oberschlesien, seiner Zeit als »Beutekamerad« in der Wehrmacht und als Soldat der polnischen Exilarmee bis hin zur Gefängnishaft im kommunistischen Polen. Doch er muss auch feststellen, dass Józef die Briefe an seinen Sohn nutzte, um sich zu einem Helden zu machen, der er keineswegs war. So beginnt er den Spuren eines Lebens zu folgen, das in der Erinnerung zur Legende wurde.

Der Journalist Kolja Mensing erzählt diese Suche suggestiv und anschaulich wie einen Roman. Von der vorsichtigen Annäherung dreier Generationen, die durch die historischen Verwerfungen des 20. Jahrhundert von einander getrennt wurden, aber auch davon, wie Erinnerungen in Familien weitergegeben und dabei wie von selbst zu Literatur werden.

Pressestimmen

"Es ist ein persönliches, beachtliches Buch, denn der Journalist ist ein richtig guter Erzähler mit wohldosiert bildhafter Schreibe, der die persönliche Geschichte gekonnt in die gesamthistorische Entwicklung [...] einordnet."

Gießener Anzeiger Online


"Es ist eine schnörkellos erzählte, berührende Männergeschichte von Großvater, Vater und Enkel, die spannend zu lesen ist."
Gießener Anzeiger


"Kolja Mensings Roman überzeugt sprachlich, sachlich und atmosphärisch. Er gewährt tiefe Einblicke in die Zerrissenheit der Generationen im von Katastrophen und Kriegen geprägten 20. Jahrhundert."
Allgemeine Zeitung - Coesfeld


"Kolja Mensing erzählt die Geschichte in einer angenehm schlicht, uneitlen und doch emotional bewegenden Sprache. Ein sehr überzeugendes Buch [...]."
Disput


"[...] bewegende, ehrliche, offenherzige, sehr sensible, zudem spannend und fast romanhaft erzählte Spurensuche [...]."
Sächsische Zeitung


"Das Buch von Kojla Mensing zeigt, das Geschichte – besonders persönliche Geschichte – bewegt, anschaulich ist und tief geht."
Neue Osnabrücker Zeitung


"Ganz unprätentiös nennt sich das Buch nicht Roman, sondern Suche – was den literarischen Qualitäten des Buches kaum gerecht wird."
Das Magazin


"Mensings Sprache ist klar, schnörkellos und von lautloser Trauer."
Frankfurter Allgemeine Zeitung


"Ein [...] sachlicher, literarisch hoch ambitionierter Ego-Shooter, der sprachlich überzeugt [...]."
buchkritik.at


"[...] eine atmosphärische und erzählerische Tiefe mit vielen Details."
Gedankentraeger


"[...] in jedem Fall ein Projekt der Emanzipation und des Erwachsenwerdens, auf das einzulassen sich schließlich unbedingt lohnt."
taz


"[...] eine spannende und eindringliche Familiengeschichte über die Zerrissenheit von Generationen."
RBB Kulturradio


"Er zeichnet ein bemerkenswertes Bild von Fürstenau in den schwierigen Jahren nach dem Krieg."
Neue Osnabrücker Zeitung



Mensing, Kolja: Die Legenden der Väter : Eine Suche , Berlin: Aufbau, 2011,
ISBN: 978-3-351-02734-6

Quelle: www.aufbau-verlag.de





Oktober 2013

Max Brod

Arnold Beer
Das Schicksal eines Juden


Roman

Mit einem Vorwort von Peter Demetz

Arnold Beer ist ein junger Mann, der nach dem Vorbild der Flugschau von Brescia, die Brod und Kafka gemeinsam besucht hatten, eine Flugschau in Prag veranstalten möchte. Er sammelt Geld und baut Bretterbuden. Die unscheinbare Lina, ein böhmendeutsches christliches Mädchen, das ihm als Sekretärin zur Seite steht, verliebt sich in ihn. Er weist sie zurück, kann aber auf ihre Hilfe nicht verzichten. Schließlich kommt, was kommen muss: sie verführt ihn – eine schöne Variante in den an Verführungsgeschichten reichen Liebesromanen Brods. Am Schluss des Romans besucht Arnold seine Großmutter auf dem Lande: eine wunderliche und wunderbare Frau, die den Enkel – in ihrem böhmischen Deutsch mit starken jiddischen Einsprengseln – kaum zu Wort kommen lässt. Die Welt des Prager deutschen Judentums, die manche Leser bei Kafka suchen, können sie bei Max Brod finden.
Der Band enthält außerdem den kleinen Roman »Ein tschechisches Dienstmädchen« (1909) sowie die Novelle »Weiberwirtschaft« (1913).

(Klappentext)


In den Romanen von Max Brod wird die Welt des Prager deutschen Judentums vor dem Ersten Weltkrieg wieder lebendig.

Pressestimmen

"Ein Stück Zeitgeschichte in Literatur."
Nikolaus Stenitzer, Der Falter


"Brods Prosa ist vital, beschreibungsstark, mit gelegentlich grellen expressionistischen Schlaglichtern und Wortfindungen."
Wolfgang Schneider, Deutschlandradio


"Der Autor glänzt auch immer wieder durch seine Beschreibungen des Prager jüdischen Großbürgertums, nicht zuletzt durch eine edelrostige Sprache, (...) ein genauer Beobachter seiner Zeit sowie psychologischer Realist und Milieukenner mit breitem Themenspektrum."
Lorenzo Bellettini, Neue Züricher Zeitung


"In dem Roman über Arnold Beer überwindet Brod die Welt des Dandys und entscheidet sich für eine dauerhafte Anerkennung der jüdischen Traditionen, Familienbande und für ein metaphysisches Engagement."
Peter Demetz


"Gemeinsam ist den Protagonisten von Brods Werken die Suche nach einem erlösenden Moment, wobei der Weg entweder über die Liebe oder über die jüdische Identität führt – beides sind dominierende Themen in Brods weiterer Entwicklung als Schriftsteller und Denker."
Barbora Šrámková



Brod, Max: Arnold Beer. Das Schicksal eines Juden: Roman. Mit einem Vorwort von Peter Demetz.
Göttingen: Wallstein, 2013. – 352 S.
Ausgewählte Werke (Hg. von Hans-Gerd Koch und Hans Dieter Zimmermann in Zusammenarbeit mit Barbora Šramková und Norbert Miller)
ISBN978-3-8353-1268-5





September 2013

Joel Berger

Der Mann mit dem Hut

Geschichten meines Lebens
Aufgezeichnet von Heidi-Barbara Kloos, mit einem Vorwort von György Dalos

Wenn Joel Berger, der ehemalige Landesrabbiner von Württemberg, erzählt oder im Radio den jüdischen Glauben und das jüdische Leben erklärt, dann schlägt er seine Zuhörer geradezu in Bann. Dies gelingt ihm auch mit seinen Lebenserinnerungen, die von der farbigen Erzähltradition seines Geburtslandes Ungarn leben.

»Die Befreiung, 1945, währte nur fünf Minuten«, so lapidar fasst er die ersten 30 Jahre seines Lebens, seine Kindheit im Holocaust und seine jungen Jahre im Kommunismus zusammen. Der gelehrte Rabbiner, der auch Geschichte studiert hat – und (»trotz zweier linker Hände«) auch einmal als Feinmechaniker gearbeitet hat, verknüpft seine Erlebnisse und Anekdoten mit der Zeitgeschichte in ihren vielfältigen Facetten. Mit der ihm eigenen Chuzpe schafft er 1968 die Ausreise nach Deutschland.

Regensburg, Düsseldorf, dann Bremen und schließlich und insbesondere Stuttgart sind die Hauptstationen seines Wirkens als Rabbiner. Und in diesen Kapiteln gibt er einen tiefen Einblick in die Entwicklung und Kultur jüdischen Lebens in Deutschland mit all seinen Möglichkeiten und Problemen.

Joel Bergers Lebensbericht, seine Geschichte und Geschichten rühren den Leser an, sie machen ihn nachdenklich – und machen ihn lachen.

Erzähltes Leben!

Und was für ein großartiger, schlagfertiger, sprachmächtiger und überaus temperamentvoller Erzähler Joel Berger ist, das belegt höchst eindrucksvoll die dem Buch beigegebene CD: Joel Berger im Gespräch mit Jörg Vins vom Südwestrundfunk.

Pressestimmen

"Man kann seine Lebensgeschichte als Kreis erzählen, der sich schließt. Das heißt, Joel Berger selbst vermag das am besten, denn erzählen kann er so gut, dass man ihm kaum ins Handwerk pfuschen möchte."
Ulrike Frenkel, Stuttgarter Zeitung


"Lehrer und Erklärer jüdischen Lebens und Glaubens, ein begnadeter Diskutant über alle Dinge dieser Welt, ein hinreißender Witze-Erzähler, ein profunder Fußballkenner, ein engagierter, offener Mensch."
Thomas Schnabel, Haus der Geschichte Baden-Württemberg


"Der ehemalige Landesrabbiner von Württemberg schildert mit Offenheit und Witz die Stationen seines bewegten Lebens."
Die Welt


"Widerspenstig und heiter! Und da der Stil, wie Stendhal sagte, selbst der Mensch ist, können wir in dieser leichten, genussvollen Erinnerungsprosa die besondere menschliche Kraft des Autors erkennen – nämlich seine selbst dem jüdischen Schicksal trotzende Heiterkeit."
György Dalos, Schriftsteller und Historiker


"Im Geiste der Verständigung und des fortwährenden Dialogs hat Joel Berger mit seinem Wirken stets zum Wiedererstarken eines jüdischen Lebens beigetragen, das zum kulturellen und religiösen Reichtum unseres Landes seit Hunderten von Jahren fest dazugehört."
Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg



Berger, Joel: Der Mann mit dem Hut - Geschichten meines Lebens
Tübingen: Klöpfer &Meyer, 2013. - 384 S. ISBN 978-3-86351-054-1

Quelle: http://www.kloepfer-meyer.de





August 2013

Alaine Polcz

Frau an der Front - Ein Bericht

Aus dem Ungarischen von Laszlo Kornitzer

Klausenburg/Siebenbürgen, März 1944. Die Stadt, die seit kurzem wieder ungarisch Kolozsvár heißt, ist von den Deutschen besetzt, Deportationen sind in vollem Gang. Alaine, Kind aus einer ungarisch-protestantischen Familie, versucht, jüdischen Bekannten zu helfen. Sie ist ein offenes, unerschrockenes junges Mädchen, verliebt in János, mit dem sie sich im Herbst, als die Front naht, zur Flucht entschließt.

Westlich von Budapest gerät die kleine Flüchtlingsgruppe mitten in die ungarisch-deutsch-russischen Kriegshandlungen hinein. Ihr Unterschlupf in einem Schloß der Familie Esterházy,das unter dem Schutz des schweizerischen Roten Kreuz steht, erweist sich als trügerisches Idyll. Eines Tages wird János von Rotarmisten abgeführt, Alaine fällt der systematischen Vergewaltigung zum Opfer. Was ihr widerfuhr und wie sie überlebt hat, darüber kann sie erst Jahrzehnte später sprechen.

Als das Buch 1991 erschien, löste es ungläubiges Entsetzen aus. In elf Sprachen übersetzt, zählt es heute zu den bedeutendsten Lebenszeugnissen von Frauen aus den Jahren des Zweiten Weltkriegs in Mitteleuropa.

(Klappentext)


Pressestimmen

"Liebe, Krieg, Leben, Tod, Schicksal, Zufall: Alain Polcz spricht aufs persönlichste von den Paradoxien, die diese Begriffe für sie beinhalten, und davon, wie nahe sie sich kommen, sie schildert sich selbst als lachende Verzweifelte und als todesmutiges Kind, als gottgläubige Atheistin und als kämpferische Fatalistin. Und schont den Leser nicht, wenn sie quasi im Zeitlupentempo schildert, was Hunger, Kälte und Vergewaltigung ist. Ein außergewöhnlich starkes, im wahrsten Sinne erschütterndes und auch als Zeitdokument bedeutendes Buch."
Ilma Rakusa


"Das Buch Frau an der Front ist ein schonungsloser Bericht aus dem Zweiten Weltkrieg - und zugleich voll menschlicher Wärme."
Jörg Plath, Deutschlandradio Kultur


"›Ein privates Fresko, an die Mauern der Weltgeschichte gepinselt‹ hat Alaine Polcz ihr Buch bescheiden genannt. Doch ist es weit mehr als das – ein epochales Dokument der Aufrichtigkeit und Menschlichkeit, wie man es nur ganz selten findet."
Andreas Breitenstein, Neue Zürcher Zeitung


"Alaine Polcz schreibt eine behutsame Sprache und schafft es, sowohl Distanz zum Geschehen zu erzeugen als auch die Spannung hochzuhalten. Ihr Bericht ist berührend, nicht bedrängend."
St. Galler Tagblatt



Alaine Polcz: Frau an der Front - Ein Bericht. - Aus dem Ungarischen von Laszlo Kornitzer.- Berlin, Suhrkamp, 2012.
ISBN: 978-3-518-42306-6





Juli 2013

Ágnes Zsolt

Das rote Fahrrad

Aus dem Ungarischen von Ernö Zeltner
Mit einer Einleitung der Mutter und
Einem Nachwort von Gábor Murányi

"Lieber Gott, es ist doch Zufall, nicht wahr, du hast nur gerade nicht aufgepasst, als Marta umgebracht wurde. Aber jetzt wachst du über uns. Bitte!", heißt es da, aber da wacht niemand, da passt kein Gott auf.

Das Tagebuch der Éva Zsolt, die im Alter von dreizehn Jahren in Auschwitz umgebracht wurde, wird häufig mit den Aufzeichnungen Anne Franks verglichen. Der neue Wiener Nischenverlag hat es nun unter dem Titel "Das rote Fahrrad" wieder herausgebracht. Es ist eine Erzählung voller Hoffnung, welche am Ende bitter enttäuscht wird.

Am 13. Februar 1944 bekam Éva Zsolt zu ihrem 13. Geburtstag ein Tagebuch geschenkt, das sie bis zum 30. Mai 1944 führte. Die Aufzeichnungen des jüdischen Mädchens gelangten in die Hände der Köchin und blieben erhalten.
Éva wächst bei ihren Großeltern auf. Sie vermisst die Mutter Ágnes, die nach Budapest zu ihrem zweiten Mann, dem bekannten Publizisten Béla Zsolt, gezogen ist. In den Begegnungen mit diesem Paar erfährt Éva viel über die politische Situation Ungarns, vor allem auch über die Bedrohung der Juden. Sie fiebert der Zukunft entgegen, will Fotoreporterin werden und einen „arischen“ Engländer heiraten. Im Augenblick aber schwärmt sie von dem sehr viel älteren Pista. Und sie wünscht sich Juszti zurück, ihr „arisches“ Kindermädchen, das sie über alles liebt, mehr als ihre Mutter und den Großpapa. Aus diesen Aufzeichnungen, auch aus den Erinnerungen an ihre Freundin Márta, die schon 1941 mit ihren Eltern deportiert und ermordet wurde, spricht große Furcht und zugleich ein unbedingter Lebenswille. Im Jahr 1944 entgehen aber auch Éva und ihre Familie der gnadenlosen Verfolgung nicht: Am 4. Mai werden sie im Ghetto von Nagyvárad interniert, am 3. Juni 1944 kommt Éva nach Auschwitz, wo sie am 17. Oktober desselben Jahres ermordet wird. Évas Mutter Ágnes veröffentlichte das Tagebuch 1947 unter dem Titel „Meine Tochter Éva“. Wie weit sie dabei in den Text eingriff, ist nicht mehr zu rekonstruieren. Am 3. August 1951 beging Ágnes Zsolt Selbstmord. Sie ertrug es nicht mehr, am Leben zu sein.

Susanne Rikl, Komm.Buch, München


Pressestimmen

"Das Tagebuch ist ein Kleinod, weil es in kindlichem Duktus, aber mit scharfsinnigen und humorvollen Details zeigt, wie die Angst zunehmend den Alltag, den Familienkleinkrieg, die Sehnsucht nach der Mutter, die latente Eifersucht auf den Stiefvater, die erste Liebe überlagert. Und ein Leben abwürgt, schon lange vor dem Ende."
Cathrin Kahlweit, Süddeutsche Zeitung


"Das Buch mit dem Titel Das rote Fahrrad (das Fahrrad wurde Éva weggenommen) ist ein bewegendes und bislang im deutschsprachigen Raum völlig unbekannt gebliebenes Dokument eines ungarischen Mädchens, das viele Ähnlichkeiten aufweist mit Anne Franks berühmtem Tagebuch."
Winfried Stanzick, Jüdische Lebenswelten


"Ágnes Zsolt veröffentlichte den Text im Herbst 1947 unter dem Namen „Meine Tochter Éva“. Wobei bis heute unklar ist, ob die Aufzeichnungen nicht von der Mutter stammen, die die Erinnerungen ihrer Tochter nach dem Krieg niederschrieb. Ágnes Zsolt jedenfalls konnte mit ihren Schuldgefühlen nicht umgehen – sie nahm sich 1951 das Leben. Die Erinnerungen ihrer Tochter sind in Ungarn erst 2011, nach mehr als sechs Jahrzehnten, neu aufgelegt worden – und dank des Nischenverlags nun erstmals auf Deutsch."
Anna-Maria Wallner, Die Presse


"Nicht weniger erschütternd ist das Schicksal der Mutter Ágnes, die dieses Tagebuch ungarisch 1946/47 nicht nur herausgegeben, sondern voller Schuldgefühle wohl auch geglättet und redigiert hat, um dann kurz darauf wie so viele jüdische Opfer vor dem Trauma ihres Überlebens zu kapitulieren und in den Freitod zu flüchten, eine frühe Schwester von Paul Celan, von Peter Szondi und ungezählten anderen Juden, die ihre Rettung nicht verkraften wollten."
Wilhelm Droste Neue Züricher Zeitung


"Besondere Bedeutung haben die beiden angefügten Briefe der Köchin Mariska, die der Mutter das Tagebuch Évas übergeben haben soll, und von Ágnes Zsolts Kindermädchen Juszti, einer Österreicherin, der sie auch die Tochter anvertraut hat. In deren Reflexionen über die Mitschuld daran, dass Éva nicht gerettet werden konnte, wird viel von den Verhaltensmustern deutlich, die das „Funktionieren“ des Nationalsozialismus möglich gemacht haben."
Cornelius Hell, Die Presse



Ágnes Zsolt: Das rote Fahrrad: Aus dem Ungarischen von Ernö Zeltner
Wien: Nischenverlag, 2012, 159 S. ISBN 978-3-950345-0-0





Juni 2013

Miklós Bánffy

Die Schrift in Flammen

Roman
Aus dem Ungarischen von Andreas Oplatka

Opulente Bälle, Jagdvergnügen, alberne, aber leider bisweilen tödliche Duelle, komplexe Intrigen, sogar ein Mord - es wird viel geboten in diesem Roman. Zwei Cousins sind die Hauptfiguren. Bálint Abády ist ein Weltmann voller Idealismus, der die Verhältnisse in der Provinz bessern will, sich allerdings in den Niederungen der Tagespolitik schwer tut. Lázlo Gyerõffy ist ein begabter Musiker und komponiert. Als Waisenkind bei wohlhabenden Verwandten aufgewachsen, treibt ihn die innere Unruhe. Zunehmend verfällt er dem Spiel und dem Alkohol. Der Roman enthält die besten Casino-Szenen seit Dostojewski.

Dazu kommen große Liebesgeschichten: entweder Schulden und Liebe - oder Schuld und Liebe. Zwischen Lázlo und Klára entwickelt sich eine bittere Komödie der Missverständnisse, zwischen Bálint Abády und Adrienne Uzdy eine große Oper von Leidenschaft und Entsagung.

In den politischen Passagen geht es um die Siebenbürger Landespolitik und die Winkelzüge von Provinzpotentaten. Diese oft etwas hölzern dargebotenen Vorgänge machen deutlich: Es rumort mächtig im österreichisch-ungarischen Gefüge. Nationalisten richten ihren Hass gegen Wien, während sie zugleich die rumänische Minderheit magyarisieren wollen. Der politische Betrieb erweist sich in Bánffys Darstellung einmal mehr als Jahrmarkt der Eitelkeiten. Parteigezänk, Postengeschacher, Wichtigtuerei, Hohlheit - insofern sind die Vorgänge durchaus epochenübergreifend.

Das Buch erzählt vom Versagen der herrschenden Schichten und entwirft ein Gesellschaftsbild vom Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie. Dieser erste Band der "Siebenbürger Geschichte“ wurde vor dem Zweiten Weltkrieg in Ungarn publiziert, kürzlich wiederentdeckt und erscheint jetzt erstmals auf Deutsch.

Quelle: Deutschlandradio Kultur


Pressestimmen

"Miklós Bánffy - der Chronist der untergehenden ungarischen Aristokratie. Intelligenz, Ironie und Nachrichten aus einer versunkenen Welt mischen sich bei ihm zu farbigen Breitwandbildern."
Péter Esterházy


"Miklós Bánffy ist ein geborener Erzähler. Mord, Intrigen, große Politik und leidenschaftliche Liebe fügen sich hier zu einem großen Drama."
Patrick Leigh Fermor


"Bánffy schreibt mit einer Melancholie, die an die Prosa Joseph Roths erinnert. (…) In liebevollen Details wird das ländliche Siebenbürgen beschrieben. Die Erzählung hat Spannkraft und den langen Atem eines viktorianischen Wälzers, Andreas Oplatka bewahrt in seiner Übersetzung auch den eleganten Stil und die Präzision Bánffys.Norbert Mayer, Die Presse"
Norbert Mayer, Die Presse


"Eine opulente und heute ziemlich exotisch anmutende Darstellung der ungarischen Hocharistokratie in den Jahren 1904 bis 1914. (...) Die Schieflage dieser dekadenten Gesellschaft wird auf jeder Seite deutlich. "Die Schrift in Flammen" bietet Menetekel und Melodram: ein Gesellschaftspanorama, das viel von Joseph Roth, Tolstoi und Proust hat - und sich in den süffig-seifigeren Passagen zugleich als ungarisches "Vom Winde verweht" lesen lässt."
Wolfgang Schneider, Frankfurter Allgemeine Zeitung


"Meisterhafte Erzählkunst, die sich als psychologisch ebenso einfühlsam wie stilistisch an den Großen - Stendhal, Tolstoi, Proust, auch Thomas Mann - geschult erweist. (...) Eines der herausragenden Prosa-Fundstücke nicht nur dieses Bücher-Frühlings."
Oliver vom Hove, Weltwoche


"Wie Miklós Bánffy in seiner 'Siebenbürger Geschichte' die Sphären der Liebe, Kunst, Gesellschaft, Ökonomie und Politik zu einem prächtigen Sittenbild des ungarischen Adels verzahnt, ist ebenso ambitioniert wie bezaubernd. … Eine grandiose, melancholische Beschwörung aristokratischen Lebens in Ungarn bis zum Ersten Weltkrieg - und zugleich dessen schonungsloser Abgesang."
Mathias Schnitzler, Berliner Zeitung


"Ein maliziöses Vergnügen."
Ulrich Baron, Süddeutsche Zeitung



Miklós Bánffy: Die Schrift in Flammen. - Roman – Aus dem Ungarischen von Andreas Oplatka.
Wien: Zsolnay, 2012. – ISBN 978-3-552-05559-9

Quelle: http://www.hanser-literaturverlage.de





Mai 2013

Salka Viertel

Das unbelehrbare Herz

Erinnerungen an ein Leben mit Künstlern des 20. Jahrhunderts

Wie aus einem Künstlerlexikon zur ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts lesen sich die Namen der Freunde und die Erinnerung an sie, die Salomea Steuermann, von allen nur Salka Viertel genannt, um sich zu versammeln wusste: Karl Kraus und Alfred Polgar, Max Reinhardt, Thomas und Heinrich Mann, Albert Einstein und Arnold Schönberg, Sergej Eisenstein und Greta Garbo, deren Drehbuchautorin sie war, Bertolt Brecht und Bruno Frank, Hanns Eisler - und viele andere Künstler, mit und ohne Namen.

Diese faszinierende und früh emanzipierte Salka Viertel war kein Hollywood- Filmstar und keine mondäne Gesellschaftsdame, sondern eine begnadete Gastgeberin, die ihr Haus an der Mabery Road in Santa Monica zum vielgerühmten Salon machte - schließlich zum »Hafen für die Heimatlosen«, die europäischen Emigranten nach 1933.

Salka Viertels Lebenserinnerungen erschienen in den 60er Jahre in den Vereinigten Staaten, sind die Memoiren einer fast Vergessenen. Sie ermöglichen einen unvergleichlichen Blick auf dramatische Jahrzehnte europäischer Kulturgeschichte, vor allem auf die Welt des Theaters und des Films bis 1933 und die Exilierung dieser Kultur in Kalifornien.

(Klappentext)


Die Erinnerungen kommen einem Quelltexte der Exilforschung des 20. Jahrhunderts gleich. »Salkaherz« - ein Genie der Freundschaft im kalifornischen Exil.


Pressestimmen

"Die Lebensgeschichte der Schauspielerin Salka Viertel, die 1889 am äußersten Rand der Donaumonarchie geboren wurde und in den dreißiger Jahren den glanzvollsten Emigranten-Salon Hollywoods führte, ist eines der klügsten, lebendigsten und sicher das mondänste Buch über das Leben der europäischen Emigranten in Amerika."
Volker Weidermann, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung


"ein großartiges Buch [...] so leidenschaftlich, kenntnisreich und unterhaltsam wird man nur in wenigen Büchern aufgeklärt."
Peter Zimmermann, ORF "Ex Libris"


"eine geistreiche Chronistin der Glitzerwelt ... Ein halbes Jahrhundert europäischer und amerikanischer Kulturgeschichte wird lebendig, im Gedächtnis aufgehoben von einer modernen Frau, die sich ihrer Pionierrolle nicht bewusst gewesen sein dürfte."
Ulrich Weinzierl, Die Welt


"Meine Neuentdeckung des Jahres."
Sigried Wesener, Deutschlandradio Kultur


"Wie ein völlig uneitles Medium für die Irrungen und Wirrungen, für die Stars und Alltagshelden der Zeitgeschichte berichtet Salka Viertel schnörkellos, humorvoll und unsentimental über ihr Leben ... Was die Kultur des alten Europa vor 1933 an Charme und Esprit, an Weltläufigkeit des Fühlens und Denkens hervorgebracht haben mag, mischt sich hier in einem wunderbar leichten Ton zu einem vitalen, wahrhaft humanistischen Panorama - hinreißend erzählt und eindrucksvoll zu lesen."
Irene Bazinger, Frankfurter Allgemeine Zeitung


"Salka Viertel ist eine lebenskluge Frau. Das macht diese Autobiografie sympathisch, die Lektüre leicht und das Vergnügen groß."
Martin Oehlen, Kölner Stadt-Anzeiger


"ein Buch voller bemerkenswerter Begegnungen ... ein starker Eindruck einer ganzen Kulturepoche."
Hannelore Hippe, WDR 3



Salka Viertel: Das unbelehrbare Herz. Erinnerungen. Aus dem Amerikanischen von Helmut Degner.
Die Andere Bibliothek im Frankfurt a.M: Eichborn Verlag,. 2011. - 512 S.





April 2013

Leszek Libera

Der Utopek

Roman

Der deutschsprachige Autor und polnische Literaturwissenschaftler Leszek Libera hat einen skurrilen Roman über die ersten Nachkriegsjahre im deutsch-polnischen Grenzgebiet vorgelegt. "Der Utopek" spielt zwischen 1945 und 1947 in Ratibor, der oberschlesischen Stadt an der Oder. Nicht weit entfernt, auf Schloß Lubowitz, kam einst der Dichter Joseph von Eichendorff zur Welt. Libera spielt in Zitaten auf Eichendorff an, er beschreibt, wie die neuen kommunistischen Herrscher dessen Denkmal zerstören.

Liberas Ratibor entpuppt sich als grandiose Metapher für das Scheitern der nationalstaatlichen Idee. Den kleinbürgerlichen Alltag inmitten eines großen Wandels beleuchtet Libera aus der Sicht des heranwachsenden Buks Molenda. Es ist die Zeit in der sich die kommunistische Herrschaft verfestigt, aus den polnischen Ostgebieten unwillkommene Flüchtlinge kommen und Relikte deutscher Kultur beseitigt werden. Molenda gehört zur Spezies der Utopeks, jener Geister, die laut schlesischer Mythologie Wasserleichen oder Föten entsteigen. Liberas Erzähler ist bösartig, einfältig und verantwortungslos, eine Art Simplizissimus mit Verdauungsstörungen und Hang zum Obszönen. Er scheint ein ferner Verwandter von Günter Grass' buckligem Blechtrommler Oskar Matzerath zu sein. Der Utopek Molenda wohnt, an den antiken Philosophen Diogenes erinnernd, vorzugsweise in einem Krautfass, das alle möglichen Laute von sich gibt und ihm dort weiterhilft, wo seine nicht gerade hoch entwickelte Mitteilungsgabe zu versagen droht.
Erst 25 Jahre nach Fertigstellung des Manuskriptes gelang es dem Autor endlich einen Verlag für seinen Roman zu gewinnen. Im Neisse Verlag erschien dann auch schon ein Jahr später der Fortsetzungsroman „Buks Molenda“.

Leszek Libera

Buks Molenda

Roman

Buks steigt aus der Asche des niedergebrannten Hauses, das er einmal sein Zuhause genannt hat empor. Oberschlesien steht mitten im Wiederaufbau der 1950er Jahre. Stalin ist tot und Buks ist in die Pubertät gekommen, sie bringt den jungen Mann auch kräftig durcheinander. Dennoch ist er bedacht einen autodidaktischen Bildungsweg einzuschlagen, indem er deutsche Bücher liest und beim Honigwabenkünstler und beim Pfarrer eine Art Lehre bestreitet.
Oberschlesien hat sich zwar seit dem Krieg verändert, dennoch ist trotz Wiederaufbau und Wirtschaftswunder die gewalttätige Atmosphäre nur wenig besser geworden.
Wo früher die Nationalsozialisten ihr grausames Spiel austrugen, ist nun die polnische Justiz sehr schnell und effektiv im Einsperren und Aburteilen. Der Kommunismus ist auch in Oberschlesien eingezogen. Buks und die anderen Utopeks stehen dieser Ideologie nicht ablehnend gegenüber, wogegen die Berichte des Utopeks Fiziol aus Westdeutschland kurios und durchaus spöttisch klingen.
Wundersame Dinge geschehen, die Menschen sind einfach und oftmals ungebildet, gewaltige politische Veränderungen brechen über sie herein. Buks ist ein Chronist der Geschichte, obwohl er selbst manchmal Hand anlegt oder die Geschichte etwas anders erzählt bzw. erzählen lässt.
Mit Eichendorffs Taugenichts als Lektüre durchlebt er verschiedene Stadien und Geschichten. Ein moderner Taugenichts sozusagen oder ein Schelmen- und Entwicklungsroman, oder was auch immer noch darin zu sehen und finden ist. Es bleibt abzuwarten, ob diesem ehrgeizigen Projekt eine weitere Fortsetzung ins Haus steht. Zu wünschen wäre es allemal.

Rudolf Kraus, Buchkritik.at


Pressestimmen

"Ein wortgewaltig literarisches Kunst- ein durchaus sensationelles Meisterwerk."
Jürgen Joachimsthaler


"Leszek Libera, geboren 1948 in Ratibor, hat seinen Roman in einer rabiaten, grammatisch geradezu demolierten deutschen Volkssprache verfasst und dabei Eigenheiten des hierzulande gern als "Wasserpolnisch" belächelten Schlesisch aufgegriffen. Entstanden ist ein märchenhaftes, wunderbar bösartiges Werk über einen Umbruch in einer Übergangszone des vom Nationalstaat besessenen Europa."
Martin Sander Deutschlandradio Kultur


"Das Buch besticht durch deftige Erfindungskraft und widerborstige Wortlust … ein literarischer Wurf. Mit der kindlichen Utopek-Gestalt des Buks Molenda steht ein echter Simplizissimus im Mittelpunkt, ein Außenseiter und tumber Tor, der auch an den kleinwüchsigen Oskar Matzerath denken läßt."
Rudolf Scholz, Sächsische Zeitung


"Der Utopek von Leszek Libera ist ein gewaltiger Roman, ein moderner Simplizissimus, ein außergewöhnlicher, moderner Schelmenroman mit viel Tiefgang und einer wortgewaltigen Sprache. Ein Meisterwerk fürwahr!"
Rudolf Kraus buchkritik.at


"Leszek Liberas Roman "Der Utopek" ist Buch des Monats auf dem deutsch-polnischen Portal "Point". Die "schlesische Blechtrommel", ein "herrlich verspieltes, fantasiereich groteskes und ja anzüglich derbes belletristisches Debüt", eine "äußerst seltene literarische Perle"."
Paul Gromnitza



Leszek Libera: Der Utopek – Roman. – Dresden : Neisse Verlag, 2010, 260 S.
ISBN 978-3-86276-000-8

Leszek Libera: Buks Molenda – Roman. – Dresden: Neisse Verlag, 2011, 314 S.
ISBN 978-3-86276-029-8




März 2013

Bruno Schulz

Das Sanatorium zur Sanduhr

Neu übersetzt von Doreen Daume

"Das Sanatorium zur Sanduhr" ist ein Buch über die verrinnende und die stagnierende, über die wuchernde, sich verästelnde und die rückwärts ablaufende Zeit. Es ist ein Buch über die Jahreszeiten mit ihrem Licht und ihren Düften, mit ihren Metamorphosen und ihrer Melancholie. Es ist aber auch ein Buch der grotesken Gestalten: vom Pensionisten, der, wieder zum Kind geworden, als Schuljunge von einer Windhose davon getragen wird, bis zum Vater, der zuletzt in ein Schalentier verwandelt an den Mahlzeiten teilnimmt und sich den diversen Bedrohungen dieser späten Existenz auf rätselhafte Weise entzieht. „Gewöhnliche Fakten sind in der Zeit aneinandergereiht, sie sind auf deren Verlauf gefädelt wie auf einer Schnur“, schreibt Bruno Schulz, „doch was soll man mit den Ereignissen tun, die keinen eigenen Platz in der Zeit haben, die in der Luft hängen, heimatlos und verloren?“

Nach dem Roman "Zimtläden" liegt nun auch Schulz' zweites Buch in einer meisterhaften Neuübersetzung vor, die seine überbordend lebendige Sprache stilsicher ins Deutsche bringt.

(Klappentext)


Pressestimmen

"Sollten Sie Bruno Schulz, den polnisch-jüdischen Magier der Weltliteratur, noch nicht kennen, steht Ihnen Einzigartiges bevor. Und wer den galizischen Schriftsteller und Maler zu seinen Lieblingen zählt, darf jubeln."
Mathias Schnitzler, Rheinische Post


"Die Geschichten von Bruno Schulz leben genauso von seiner Fabulierkunst wie von seinem Sinn fürs Skurrile und Paradoxe. Und nicht zuletzt von der Tatsache, dass er in seinen literarischen Bildern auch die eigenen Neurosen festhält: seine irrationale Lebensangst, seine Affinität für Drohobycz, (Heimatstadt) dessen Name dennoch kein einziges Mal fällt, oder seine komplizierte Beziehung zu Frauen. Im wahren Leben verband ihn mit vielen eine tiefe Freundschaft oder heftige Leidenschaft - in seinen Erzählungen zeichnet er sie mit einer Mischung aus Bewunderung und leiser Ironie."
Marta Kijowska Deutschlandfunk


"Nicht auszudenken, was Bruno Schulz noch alles hätte erschaffen können."
Jüdische Zeitung


"Ein weiterer genialer Erzählzyklus von Bruno Schulz."
Renate Wiggershaus, Frankfurter Rundschau


"Genial - Bruno Schulz' Erzählungen entführen uns in die Welt beständiger Veränderung."
Irina Liebmann, Die Welt


"Meisterhaft und erschütternd."
Neue Zürcher Zeitung


"Eine Freude, dass es nach den 'Zimtläden' nun auch dieses Buch in einer so schönen, neuen Übersetzung gibt."
Andrea Winkler, Die Presse


"Präzise und mit poetischer Qualität neu übersetzt"
Wolfgang Schneider, Frankfurter Allgemeine Zeitung



Bruno Schulz: Das Sanatorium zur Sanduhr. Neu übersetzt von Doreen Daume
München: Hanser Verlag, 2011. - 367 S. ISBN 978-3-446-20890-2

Quelle: http://www.hanser-literaturverlage.de




Februar 2013

Günter Brakelmann

Peter Yorck von Wartenburg

1904-1944
Eine Biographie

Peter Yorck von Wartenburg (1904–1944) gehört zu den Schlüsselfiguren des Widerstands gegen Hitler. Auf der Grundlage vieler bislang unbekannter Dokumente beschreibt Günter Brakelmann, wie aus dem preußischen Adligen der „demokratische Graf“ wurde, der zusammen mit Helmuth James von Moltke im Kreisauer Kreis ein Deutschland nach Hitler plante und zusammen mit Claus von Stauffenberg das Attentat vom 20. Juli 1944 vorbereitete.

Das schlesische Gut Klein-Oels war eine Welt für sich: Peter Yorcks Großvater hatte hier die größte Adelsbibliothek Deutschlands zusammengetragen. Sein Vater sprach sieben Sprachen und legte Wert auf seine „loyale Opposition“ gegen den Kaiser. Das antike Griechenland war den zehn Geschwistern ebenso nah wie Preußen. Günter Brakelmann schildert einfühlsam die familiären Traditionen, aus denen heraus Peter Yorck Jurist wurde, auf eine Karriere als Beamter verzichtete und schließlich zusammen mit seiner Frau Marion in den Widerstand ging. Nach Stephan Hermlins Erzählung „Der Leutnant Yorck von Wartenburg“ von 1946 liegt mit diesem Buch die erste Biographie über eine der eindrucksvollsten Gestalten des deutschen Widerstands vor.

(Klappentext)


Pressestimmen

"Günter Brakelmanns sehr lesenswerte Biografie Peter Yorck von Wartenburgs lässt eine Zeit wieder lebendig werden, in der einige wenige mit ihrem Leben von einem 'anderen Deutschland' Zeugnis gaben. Zusammen mit seiner Biografie über Helmuth James von Moltke eröffnet Brakelmann damit einen vertieften Einblick in eine der wichtigsten Widerstandsgruppen gegen das NS-System, dem Kreisauer Kreis."
José Garica, Die Tagespost


"Günter Brakelmann (...) leuchtet in seiner Biografie Yorcks tief in die Konstellationen des Widerstands hinein, um das persönliche Profil Peter Yorcks von Wartenburg sichtbar zu machen."
Hannes Schwenger, Tagesspiegel


"Es ist Brakelmanns großes Verdienst, in mühevoller Detektivarbeit doch noch Briefe Yorcks entdeckt zu haben (...). In den Briefen tritt uns Peter Yorck als ein sehr empfindsamer, mitfühlender, liebender Mann entgegen; sie sind sehr anrührend zu lesen. Die historisch abstrakte Figur des Widerstandskämpfers gewinnt hier endlich Gestalt."
Dr. Frauke Geyken, Damals


"Einer der besten Kenner des deutschen Militärwiderstandes (...) nimmt [sich] auf ruhige, aber sprachlich lebendige Weise einen der weniger bekannten Köpfe des 20. Juli zum Thema.(...) Mit Gewinn zu lesen."
Joachim Käppner, Süddeutsche Zeitung


"Brakelmanns mit zahlreichen privaten Fotos reich ausgestattetes Buch enthält viele wertvolle Informationen über die familiären Wurzeln Yorck von Wartenburgs und seine Zeit des Widerstands im 'Kreisauer Kreis'."
news.de


"Eindrucksvoll zu lesen."
Rainer Blasius, Frankfurter Allgemeine Zeitung



Brakelmann, Günter: Peter Yorck von Wartenburg 1904-1944 - Eine Biographie
München: C.H.BECK, 2012. 336 S. ISBN 978-3-406-63019-4





Januar 2013

Frido Mann

Mein Nidden

Auf der Kurischen Nehrung

"Wie auf einem Schiff" fühlte sich Thomas Mann in seinem Niddener Ferienhaus. Und in der Tat können die drei Sommer 1930-1932, welche die Manns im Fischerdorf Nidden auf der Kurischen Nehrung verlebten, einer schmalen Halbinsel zwischen Ostsee und Kurischem Haff, als eine Art Vor-Exil gelten, bevor die Familie über den Ozean nach Amerika emigrierte. Zwei Generationen später entdeckt nun Frido Mann, der Enkel Thomas Manns, bei zahlreichen Besuchen sein Nidden: Dabei wandelt er nicht nur auf den Spuren seiner Vorfahren, sondern zeichnet auch die wechselvolle Geschichte dieser europäischen Sehnsuchtslandschaft im 20. Jahrhundert nach - hin- und hergerissen zwischen Deutschem Reich, Sowjetherrschaft und der Unabhängigkeit Litauens.

Frido Mann beweist große Empathie für die Menschen vor Ort, ob für die heutigen Litauer oder die einst geflüchteten Memelländer. Mit Neugier, Empathie und Weitblick wirkt er an der Zukunft des Niddener Hauses als eines Zentrums für interkulturellen Austausch mit. Nicht zuletzt entwirft er in seinem Buch ein eindrucksvolles Bild der überwältigenden Natur mit ihrer Mischung aus nördlichem und südlichem Charme und einem Himmel, der sich in fast endlosen Blautönen über dem Haff und der "europäischen Sahara" - dem berühmten Wanderdünenfeld - erstreckt.

(Klappentext)


Pressestimmen

"Frido Manns beeindruckende Reise auf familiären Pfaden, voller funkelnder Beobachtungen und Begegnungen: engagiert, kritisch - und doch versöhnlich."
Tilmann Lahme


"Frido Mann arrangiert die Eindrücke des Orts aus mehreren Generationen, was angesichts der nicht erhaltenen Tagebücher Thomas Manns aus dieser Zeit umso wertvoller ist."
Frankfurter Allgemeine Zeitung



Mann, Frido: Mein Nidden – Auf der Kurischen Nehrung. – Hamburg: mareverlag, 2012. – 158 S.
ISBN 978-3-86648-148-0