Februar 2012
Katja Thimm
Vatertage
Eine deutsche GeschichteWie viel wissen wir über das Leben unserer Eltern? Auch für Katja Thimm war ihr Vater viele Jahre lang vor allem eines: ihr Vater. Nur ab und zu blitzte etwas auf, das ihr zu verstehen gab: Horst Thimm, Jahrgang 1931, hat seine ganz eigene Geschichte. Erst spät, als Erwachsene begann sie ihn nach seinem Leben zu fragen. Und er fing an zu erzählen: Von seiner behüteten Kindheit in einem Forsthaus in Masuren, von der albtraumhaften Flucht als Dreizehnjähriger Richtung Westen, von seinen Arbeitseinsätzen in der jungen DDR, bei denen er Leichen bergen musste, von seinen ersten Kollisionen mit der sozialistischen Staatsmacht und seiner sechsjährigen Haft in einem Zuchthaus der DDR. Als er schließlich in den Westen kam, in die schon ziemlich saturierte Bonner Republik, eine Beamtenlaufbahn im Bundesgesundheitsministerium begann und eine Familie gründete, war er erst knapp dreißig Jahre alt und hatte doch schon ein ganzes Leben hinter sich.
Katja Thimm erzählt sensibel, eindringlich und mit einer eigenen Stimme vom Leben ihres Vaters, das einzigartig und doch typisch für die Generation der sogenannten Kriegskinder ist. Zugleich berichtet sie davon, wie die Erschütterung des Krieges und zweier Diktaturen auch in ihrer Generation nachwirken und auf überraschende Weise noch immer gegenwärtig sind.
(Klappentext)
Pressestimmen
"Katja Thimms Buch ist mehr als eine anrührende Familiengeschichte. Es ist das tiefgründige Porträt zweier Generationen und ihrer Verbundenheit. [...] Es ist ein persönliches Buch, das auf kluge und sensible Weise veranschaulicht, dass Privates und Gesellschaftliches aufeinander einwirken – über Generationen hinweg."
Carsten Hueck, Deutschlandradio Kultur – Radiofeuilleton Kritik
"ein nachdenklich machendes Buch über die Traumata der Kriegsgeneration [...] ein berührendes Dokument über das Älterwerden im Allgemeinen, über das Abschiednehmen und den Tod"
dpa
"Katja Thimms Buch geht unter die Haut. Es erzählt von ihrem Vater und gleichzeitig von einer ganzen Generation."
Hilka Sinning, west.art - WDR Fernsehen
"Wie so oft kann erst die zweite Generation das Schweigen durchbrechen und vom Elend der Eltern berichten. Katja Thimm tut das, ohne larmoyant zu sein. In klassischer Erzähltradition erinnert sie liebevoll, eindringlich und genau an das, was gewesen ist und impliziert die Frage nach dem, was davon bleibt. […] Ein gelungenes Buch, das unser aller Geschichte vergegenwärtigt und über die Generationen hinweg Identität stiftet."
Amelie Heinrichsdorff, Die Welt
"Katja Thimm, die die Kinder in der Dritten Welt als Opfer von Gewalt gesehen hat, wollte vergleichbare Schatten im Leben ihres Vaters lange nicht erkennen. Seine Schutzlosigkeit belehrt sie eines Besseren. Einfühlsam beschreibt „Vatertage“ so einen Annährungsprozess zwischen Vater und Tochter. Und so erzählt der Roman auch vom Umdenken der Nachgeborenen, für die Ostpreußen nicht mehr nur Synonym für Revanchismus ist."
Hilke Lorenz Stuttgarter Zeitung
"Jenseits der persönlichen Schicksale fragt sich, wie die Mentalität der Kriegskinder das Land und damit auch die nächsten Generationen geprägt hat. Vielleicht haben sie ihren Leistungswillen tradiert, diesen unbedingten Glauben an die eigene Kraft. Vielleicht haben sie aber auch eine gewisse selbstbezogene Kühle weitergegeben, die sich aus der German Angst vor immer noch größeren Katastrophen ergibt: Wer stets das Schlimmste vor Augen hat, vermag den Streit eines Kindes mit seinen Schulkameraden nur schwerlich als Problem erkennen. Und wer einen Flüchtlingstreck überlebt hat, kann, wie sich Katja Thimm erinnert, das Murren der kleinen Tochter auf dem Rücksitz eines Autos kaum akzeptieren.
Geht das nun immer so weiter? Jede Generation, die sich von Neuem im eigenen Elend abschottet? Das muss nicht sein. Bücher wie dieses weisen schon sachte in Richtung Neuanfang."
Kia Vahland Süddeutsche Zeitung
Quelle: http://www.fischerverlage.de
Katja Thimm: Vatertage. Eine deutsche Geschichte.- Frankfurt am Main: Fischer, 2011. – 287 S.
ISBN 9783100769039