Prager Kaffeehaus


3. April 2014

Prager Kaffeehaus

Dann-und-wann einmal etwas Ungewöhnliches

Kaffeehaus-Besuche können Überraschungen bergen. Nicht nur, um den immer-gleichen, bekannten Gesichtern zu begegnen, besuchten Künstler vor rund einhundert Jahren solche Treffpunkte. Hier fanden sie Anregungen, Inspiration, trafen auf Neues und Ungewohntes. So – mit einiger Sicherheit – auch die Besucher des Café „dann-und-wann“ im Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg am letzten Tag der Rilke-Ausstellung „Innere Landschaften“.

Im Rahmen des Projekts „Rilke Reloaded“ hatten sich zuvor eine sechste, eine achte Klasse sowie die Theater-AG der Rilke-Realschule Stuttgart-Rot mit dem dichtenden Namensgeber ihrer Schule beschäftigt. An insgesamt acht Terminen fanden im Kinder- und Jugendhaus Zuffenhausen Rap-, Tanz/Theater-, Film- und Graffiti-Workshops statt. Die Ergebnisse wurden an diesem Nachmittag auf der Kaffeehaus-Bühne vorgestellt. In zwei separaten Veranstaltungen präsentierten die jungen Interpreten ihre Werke.



Um 15.30 Uhr kam zunächst die sechste Klasse zum Zuge. Die Rap-Gruppe machte aus Rilkes „Lied des Trinkers“ ein drastisches „Der Säufer und die Frau“. Eine ganz andere, träumerische Stimmung erzeugte die Theatergruppe mit einer getanzten Version des berühmten „Panthers“. Mit ein paar wenigen, einfachen Strichen setzte das Filmteam den „Herbsttag“ in Szene.

Die zweite Besuchergruppe konnte sich die Werke der achten Klasse anschauen. Hier hatte das Filmteam eine Rilke-Talkshow unter dem Titel „Mein Leben auf der Überholspur“ gedreht. Der Tanz „Krise“ setzte sich mit der Biografie des Dichters auseinander und thematisierte seine Schaffenskrise nach Abschluss des „Malte Laurids Brigge“. Die Rapper dachten „Das Lied des Idioten“ weiter und schufen den „Klugen Idioten“: „….keine Verpflichtung ich bin frei wie ein Tier….“

Szenenfolgen, die während der Workshops gefilmt worden waren, brachten den Besuchern den Entstehungsprozess der Arbeiten nahe. Die Graffiti-Gruppen beider Klassenstufen präsentierten eine kleine Ausstellung von Acrylbildern, sie hatten die Buchstaben des Projekttitels „Rilke Reloaded“ auf Leinwand gestaltet.

Für den authentischen musikalischen Kaffeehaus-Rahmen sorgte das Duo Bausch&Bogen. Herta Bausch am Akkordeon und Stefanie Schupp mit der Violine spielten eine bunte Mischung bekannter Melodien aus den 1920er- und 1930er-Jahren. Charmant plauderte Schupp mit dem Publikum, das mit französischen Chansons, argentinischem Tango und traditionellen osteuropäischen Weisen bestens unterhalten wurde.


Diane Dingeldein, Projektleiterin von Rilke Reloaded zog als Fazit: „Es ging nicht um perfekte Aufführungen und zu Ende gedachte Interpretationen. Viele der Realschüler haben sich zum ersten Mal so intensiv und eigenständig mit den Werken eines Dichters beschäftigt. Da ist etwas in Gang gekommen und es hat ihnen Spaß gemacht – und das durften die Kaffeehausbesucher live miterleben.“


Eine Begleitveranstaltung zur Ausstellung "Innere Landschaften"
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